Zeitbild Wissen: Kernenergie - Die Situation in Deutschland - page 16

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die radioaktiven Stoffe durch Verdampfen, Fällen
oder Filtern von der nicht aktiven Flüssigkeit ab
und verfestigt die Rückstände in Bitumen oder Ze-
ment. Sie werden ebenfalls in Stahlfässern einge-
schlossen.
Jährlich werden in einem Druckwasser-Kern-
kraftwerk ungefähr 40 Brennelemente mit einem
Gesamtgewicht von ca. 20 Tonnen ausgetauscht.
Die abgebrannten Brennelemente lagern zunächst
einige Jahre im Abklingbecken des Kraftwerks, bis
ihre Radioaktivität und Wärmeproduktion so weit
abgeklungen sind, dass sie in Zwischenlagerbehäl-
ter verpackt werden können.
Bis 2005 kam ein Teil der abgebrannten
Brennelemente aus Deutschland zur Wieder-
aufarbeitung, die gesetzlich vorgesehen war, in
spezielle Anlagen nach Frankreich und Groß-
britannien. In einem komplizierten Verfahren
wurden Plutonium und Uran abgetrennt, um
sie zu neuen Brennelementen zu verarbeiten.
Die übrigen, nicht wieder verwertbaren Spaltpro-
dukte aus den abgebrannten Brennelementen
werden in einer Borsilikatglasschmelze einge-
schlossen und in Behälter aus Edelstahl gefüllt.
Deutschland ist zur Rücknahme der bei derWie-
deraufarbeitung entstandenen radioaktiven Abfälle
verpflichtet. Die Abfälle wurden zu einem großen
Teil bereits nach Deutschland zurückgebracht be-
ziehungsweise werden in den nächsten Jahren
noch nach Deutschland zurückgeführt. Transpor-
In Deutschland werden zwei Arten
radioaktiver Abfälle unterschieden:
• wärmeentwickelnde Abfälle
(hochradioaktiv)
• Abfälle mit vernachlässigbarer
Wärmeentwicklung
(schwach- und mittelradioaktiv)
Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwick-
lung sind beispielsweise Schutzkleidung, Filter,
Reinigungsmittel oder auch kontaminierte Werk-
zeuge aus dem Betrieb der Anlagen sowie Rohre,
Kabel oder auch ausgediente Anlagenteile wie z. B.
Pumpen oder Rohrleitungen, die vor allem beim
Rückbau anfallen. Zu den wärmeentwickelnden
radioaktiven Abfällen zählen die abgebrannten
Brennelemente der Kernkraftwerke sowie die ra-
dioaktiven Abfälle, die aus der Wiederaufarbeitung
deutscher Brennelemente in Frankreich und Eng-
land stammen. In Deutschland ist vorgesehen, alle
radioaktiven Abfälle für immer in tiefe geologische
Formationen (bis ca. 1.300 m Tiefe) einzulagern,
um sie dauerhaft von der Biosphäre abzuschlie-
ßen.
Was passiert mit den Abfällen?
Bevor Abfälle in einem Endlager eingela-
gert werden können, müssen sie behandelt und
endlagergerecht verpackt werden. Hierbei steht
insbesondere die Volumenreduzierung im Vor-
dergrund. Die Behandlung der Abfälle hängt in
starkemMaße von ihrer Radioaktivität und von der
Form ab, in der sie vorliegen. Schwach und mit-
telradioaktive Stoffe, die in fester Form vorliegen,
werden zunächst gepresst, damit sie möglichst
wenig Platz benötigen, und anschließend in Stahl-
fässern verpackt. Bei Flüssigkeiten trennt man
Radioaktive Abfälle
Für die Behandlung der Abfallstoffe, den
Transport und die Zwischenlagerung sind
in Deutschland die Abfallverursacher, das
heißt bei Abfällen aus Kernkraftwerken
die Energieversorgungsunternehmen, ver-
antwortlich. Für die Endlagerung liegt die
Verantwortung gemäß Atomgesetz bei der
Bundesrepublik Deutschland.
Blick in den Reaktorkern
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