Zeitbild Wissen: Kernenergie - Die Situation in Deutschland - page 17

17
Zeitbild Wissen
Umstrittene Transporte
Als „Castortransporte“ mit Güterzügen und Schwerlasttransportern sind die
zwischen 1996 und 2011 durchgeführten Rückführungstransporte von hochradio-
aktiven Wiederaufarbeitungsabfällen aus Frankreich ins Zwischenlager in Gorleben
bekannt geworden. Gorleben ist die einzige Anlage in Deutschland, die über eine
Genehmigung verfügt, hochradioaktive Abfälle aus der Wiederaufarbeitung deut-
scher Brennelemente aufzunehmen. Diese Transporte wurden von einem großen
Polizeiaufgebot begleitet. Kernkraftgegner nahmen sie zum Anlass, um beispiels-
weise mit Kundgebungen und Sitzblockaden, an denen sich bis zu mehrere tausend
Menschen beteiligten, gegen die Transporte selbst, aber auch gegen die Nutzung
der Kernenergie insgesamt zu demonstrieren. Der letzte Transport mit hochradio-
aktiven Wiederaufarbeitungsabfällen aus Frankreich hat 2011 stattgefunden. Weite-
re Transporte aus England (hochradioaktiv) und Frankreich (mittelradioaktiv) sind
nicht vor 2015 geplant.
te in die Wiederaufarbeitung sind seit dem 1. Juli
2005 verboten. Seither lagern alle abgebrannten
Brennelemente bis zu ihrer Endlagerung in eigens
errichteten Zwischenlagern an den Standorten der
einzelnen Kernkraftwerke.
Die CASTOR-Behälter
Für den Transport und die langjährige Zwi-
schenlagerung von abgebrannten Brennelementen
und hochradioaktiven Abfällen werden in Deutsch-
land hauptsächlich sogenannte CASTOR-Behälter
verwendet. Es gibt hiervon unterschiedliche Bau-
formen, je nachdem für welche Art von Brenn-
elementen oder Abfällen. Ein aktueller CASTOR-
Behälter für bestrahlte Brennelemente ist an die 6
Meter lang, hat einen Durchmesser von etwa 2,5
Meter, eine Wandstärke von 40 cm und ein Leer-
gewicht von rund 100 Tonnen. Sein Behälterkör-
per ist aus Gusseisen mit Kugelgraphit hergestellt,
einem speziellen Material, das über eine extrem
hohe Festigkeit und Zähigkeit verfügt. Der Be-
hälter schirmt die Gamma- und Neutronenstrah-
lung weitgehend ab. Die Anforderungen an einen
Transportbehälter sind in Bezug auf mechanische
Stabilität, Dichtheit und Temperaturfestigkeit sehr
hoch. Behälter, wie sie für abgebrannte Brennele-
mente eingesetzt werden, müssen gemäß interna-
tional gültigen Gefahrgutbestimmungen folgende
Prüfungen bestehen, ohne undicht zu werden:
• Freier Fall des Behälters aus 9 m Höhe auf ein
unnachgiebiges Fundament.
• Freier Fall des Behälters aus 1 m Höhe auf einen Stahldorn
mit einem Durchmesser von 15 cm und einer Höhe von
mindestens 20 cm.
• Feuertest von 30 Minuten bei mindestens 800 °C.
• Eintauchen des Behälters in Wasser für
15 Stunden bei einer Wassertiefe von 15 m
oder bei Zulassung für besonders große
Gesamtaktivität für 1 Stunde bei einer Wassertiefe von 200 m.
Schutzplatte
Sekundärdeckel
Primärdeckel
Abschirmungselemente
Tragekorb mit Einzelbehältern
für strahlende Glaszylinder
oder Brennelemente
Behälterkörper aus besonders
dickem und stabilem Gusseisen
Kühlrippen
Tragzapfen
Quelle:GNS
Verladen eines CASTOR-Behälters
1...,7,8,9,10,11,12,13,14,15,16 18,19,20,21,22,23,24,25,26,27,...36
Powered by FlippingBook