Zeitbild Wissen: Kernenergie - Die Situation in Deutschland - page 20

20
Zeitbild Wissen
dekontaminiert – und fachgerecht entsorgt. Nicht
radioaktiv belastete Komponenten wie z. B. Turbi-
nen können herkömmlich zurückgebaut werden.
Bei der Methode „sicherer Einschluss“ wird
der belastete Teil der Anlagen – bei Druckwasser-
reaktoren das Reaktorgebäude – zunächst für
einen festgelegten Zeitraum „sicher eingeschlos-
sen“. Das bedeutet, dass dieser Bereich von der
restlichen Anlage z. B.  durch Abtrennen und
Verschließen von Leitungen physisch getrennt
und abgeschlossen wird. Der nicht oder nur leicht
radioaktiv belastete Außenbereich kann auf her-
kömmliche Weise zurückgebaut werden. Nach
Ablauf der Frist wird der Rest der Anlagen – un-
ter entsprechenden, in der Regel vereinfachten,
Sicherheitsvorkehrungen – demontiert. Ziel dieser
Rückbauvariante ist es, durch ein Abklingen der
Radioaktivität den späteren Abbau der Anlage auf-
grund einer niedrigen radioaktiven Belastung zu
erleichtern und zwischenzeitliche technische Fort-
schritte zu nutzen.
Beispiele für einen direkten Rückbau sind die
Arbeiten am Kernkraftwerk Greifswald nahe Lub-
min, es ist das weltweit größte Stilllegungsprojekt
dieser Art. Der Rückbau der Anlage erfolgt seit
1995, im Jahr 2014 soll das Gelände wieder nutz-
bar sein. Auch die Kernkraftwerke Gundremmin-
gen A, Mülheim-Kärlich, Obrigheim, Rheinsberg,
Stade und Würgassen werden gegenwärtig direkt
Jede Menge Auflagen
In Deutschland ist das Atomgesetz maßgebend
für die Errichtung, den Betrieb und die Stilllegung
von Kernkraftwerken. Hinzu kommen noch zahl-
reiche weitere Verordnungen wie z. B. die Strahlen-
schutzverordnung, das Kreislaufwirtschaftsgesetz,
die Gefahrstoffverordnung und das Bundesimmis-
sionsschutzgesetz. Der Sicherheitsgedanke spielt
in allen Phasen eines Kernkraftwerks, von der Er-
richtung über den Betrieb bis hin zum Rückbau,
eine sehr große und wichtige Rolle. Sowohl die
Umwelt als auch die beim Rückbau beteiligten
Menschen müssen vor jeglicher Beeinträchtigung
durch radioaktive Strahlung geschützt werden.
Sofort oder später – Rückbaukonzepte
Es stehen im Prinzip zwei Wege zur Auswahl,
um ein Kernkraftwerk zurückzubauen: Der „di-
rekte Rückbau“ und der „Rückbau nach siche-
rem Einschluss“. Beim „direkten Rückbau“, der
häufigsten Form des Rückbaus in Deutschland,
wird das Kraftwerk nach Ende des Regelbetriebs
in mehreren Schritten nach Genehmigungen der
zuständigen Behörden demontiert, die radioaktiv
belasteten Bauteile werden aufwendig zerlegt, so-
weit wie möglich gereinigt – man spricht hier von
Wie andere Industrieanlagen auch werden Kernkraftwerke am
Ende ihrer Betriebszeit stillgelegt. Aber ein Kernkraftwerk kann
u. a. wegen der radioaktiven Bestandteile nicht einfach abgeris-
sen werden, es muss kontrolliert zurückgebaut werden. Ziel des
Rückbaus ist die vollständige Beseitigung der Anlage und die
Wiederherstellung des ursprünglichen, natürlichen Zustands des
Geländes – der Rückbau zur „Grünen Wiese“ oder alternativ
auch für die Nachnutzung als Industrie- und Gewerbegebiet.
Dies kann aufgrund der hohen sicherheitstechnischen Anforde-
rungen und der notwendigen Genehmigungsverfahren mit
Beteiligung der Öffentlichkeit unter Umständen viele Jahre
dauern, beim direkten Rückbau bis zu 20 Jahre. Seit Beginn
der kommerziellen Nutzung der Kernenergie wurden in
Deutschland bereits mehrere Anlagen stillgelegt und wie
z. B. das VAK Kahl zurückgebaut.
Rückbau von
Kernkraftwerken
1...,10,11,12,13,14,15,16,17,18,19 21,22,23,24,25,26,27,28,29,30,...36
Powered by FlippingBook