Zeitbild Wissen: Kernenergie - Die Situation in Deutschland - page 21

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rückgebaut. Ein Beispiel für das Konzept des siche-
ren Einschlusses ist der ehemalige Hochtempera-
tur-Reaktor in Hamm-Uentrop. Er befindet sich
seit 1997 im sicheren Einschluss, ab 2027, nach
Unterschreiten der relevanten Grenzwerte, kann
dann endgültig mit dem Abriss begonnen werden,
für den ca. 20 Jahre veranschlagt werden.
Kritik am Einschlusskonzept
Kernkraftgegner halten den „sicheren Ein-
schluss“ über einen so langen Zeitraum für nicht
sicher, da aufgrund einer möglichen Beschädigung
der Hülle oder einer anderweitigen Freisetzung
von Radioaktivität die Gefahr gegeben sei, dass
Radioaktivität in die Umwelt gelangen könnte. An-
ders als beim direkten Rückbau würden die Kraft-
werke nicht nach etwa 20 Jahren abgebaut sein,
sondern erst nach 40 bis 45 Jahren. Problematisch
an dieser Rückbauvariante ist die Tatsache, dass
nach einer so langen Zeit vermutlich nur noch
wenige Experten für den Rückbau zur Verfügung
stünden. Die ehemaligen Mitarbeiter wären dann
sicherlich längst pensioniert.
Nutzung im Straßenbau
Eine der größten Herausforderungen beim Abbau eines Kernkraftwerkes ist
die Bewältigung der Abbauabfälle (Abbaumassen). Rund 250.000 Tonnen Abfall
müssen zum Beispiel am KKW Würgassen entsorgt werden, rund 80 Prozent der
Gesamtmasse sind Betonstrukturen. Alle Materialien werden während der Demon-
tage sortiert, um gezielt wiederverwertet oder entsorgt werden zu können. Nur ein
kleiner Teil der Abbaumaterialien ist während des Betriebs des KKW überhaupt mit
radioaktiven Stoffen in Berührung gekommen. Der größte Teil dieser Rückbauab-
fälle kann nach einer sorgsamen und umfangreichen Reinigung (Dekontamination)
dem normalen Abfallkreislauf zugeführt werden und zum Beispiel im Straßenbau
wiederverwendet werden. Letztendlich sind rund 3 Prozent der Abbaumassen sog. ra-
dioaktiver Abfall. Die wesentlichen Abfallverursacher sind der Reaktordruckbehälter,
der Biologische Schild und die Dampferzeuger. Diese Bauteile sind durch ihre Nähe
zur Kernspaltung selbst radioaktiv geworden (aktiviertes Material) und können nicht
dekontaminiert werden. Sie werden vor Ort zerlegt, fachgerecht verpackt und für die
spätere Endlagerung bereitgestellt.
Zerlegen, Sandstrahlen, Zusammenstauchen
(Dekontamination und Abfallminimierung)
Damit ein Bauteil wieder in den Wertstoffkreislauf zurückkommen kann, muss
es ein mehrstufiges Verfahren durchlaufen: Nach der Demontage, Zerlegung und
Zerkleinerung werden die Bauteile – falls radioaktive Kontamination festgestellt
wird – mit Wasser (Hochdruckreiniger), Sandstrahlern oder Stahlkugelstrahlern ge-
reinigt. Da die Reinigungsmaterialien die radioaktiven Partikel binden, werden sie
aufgefangen. Das Wasser beispielsweise wird anschließend verdampft und das üb-
rigbleibende Konzentrat ist dann radioaktiver Abfall. Wird bei der anschließenden
Überprüfung des Bauteils noch Kontamination festgestellt, wird erneut gereinigt.
Aufgrund sorgfältiger Dekontamination braucht nur ein relativ geringer Umfang des
Abbaumaterials als radioaktiver Abfall entsorgt werden. Dieser wird nach Möglich-
keit in spezielle 180 l-Blechfässer gefüllt und mit einer Hochdruckpresse extrem ver-
dichtet. Bis zu acht Presslinge lassen sich dann in einem genormten 200 l-Abfallfass
unterbringen. Ziel der Abfallbehandlung ist die Volumenreduzierung, da die Kosten
für Aufbewahrung und Endlagerung an der Anzahl der Gebinde bemessen werden.
Rückbau
(1968-1976)
(1969-2005)
Rückbau
Rückbau
Rückbaustatus von Kernkraftwerken
Anlagen in Deutschland
im Rückbau
Rückbau abgeschlossen,„Grüne Wiese“
im„sicheren Einschluss“
Quellen:BfS,AG Energiebilanzen,DAtF
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