Zeitbild Wissen: Kernenergie - Die Situation in Deutschland - page 29

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Zeitbild Wissen
Die effektive Strahlendosis ermöglicht eine
Bewertung des schädlichen Einflusses von ionisie-
render Strahlung auf den menschlichen Körper.
Neben der Art der Strahlung ist auch wichtig, wie
man mit der Strahlung in Berührung gekommen
ist. Strahlenschützer bezeichnen dies als Exposi-
tionspfad. Bei der externen Exposition wirkt ioni-
sierende Strahlung von außen auf den Körper ein.
Die Inkorporation, also die Aufnahme radioaktiver
Stoffe in den Körper, führt dagegen zur internen
Exposition des Organismus. Man unterscheidet bei
der Inkorporation radioaktiver Stoffe zwischen der
Aufnahme über die Atemwege (Inhalation), über
die Nahrung (Ingestion) und über die Haut (perku-
tane Aufnahme).
Ab wann kann Strahlung
gefährlich werden?
Die Gefahren ionisierender Strahlung hängen
von der Art, Intensität und Dauer der Bestrahlung
sowie dem Expositionspfad ab. Alphastrahlung hat
eine geringe Reichweite, daher ist sie außerhalb
des Körpers weitgehend ungefährlich. Innerhalb
des Körpers kann sie jedoch das Gewebe schädigen.
Betastrahlen haben dagegen in Luft eine Reichwei-
te von bis zu einigen Metern. Gamma- und Neu-
tronenstrahlung haben eine höhere Eindringtiefe
und können auch durch äußere Expositionen zu
Schädigungen führen. Bei den meisten radioakti-
ven Zerfallsprozessen tritt eine Kombination aus
verschiedenen Strahlungsarten auf. Man unter-
scheidet weiterhin zwischen akuten Strahlenschä-
den und durch Strahlung bedingten Spätschäden
wie beispielsweise der Schädigung des Erbgutes.
Arbeitsblatt 6:
Aufgabe
Informieren Sie sich über Strahlenschäden und
Maßnahmen zum Schutz vor Strahlenschäden
auf der Webseite des Bundesamtes für Strahlenschutz:
Quelle: Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) mbH
Strahlung und Mensch
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7.3 Anreicherung von Radionukliden in Nahrungsketten
In den Gliedern der Nahrungsketten können sich
Radionuklide anreichern. Dies ist darauf zurück-
zuführen, dass ein Organismus nicht für alle Ele-
mente einen Regelmechanismus besitzt, um be-
stimmte Konzentrationen einzuhalten.
Beim Menschen gehören z. B. die Elemente
Kalium und Calcium zu den sogenannten geregel-
ten Elementen. Es bedeutet, dass ein gesunder
Organismus bei ausreichendem Nahrungsan-
gebot seine Konzentration im Körper auf einem
bestimmten Wert hält.
Im Standardmenschen sind es für Calcium 1.100g
und für Kalium 140 g. Bei erhöhter Zufuhr dieser
Elemente wird der nicht benötigte Anteil mit den
Ausscheidungsprodukten vermehrt wieder abge-
geb n.
Die Elemente Strontium und Cäsium zählen beim
Menschen zu den nicht geregelten Elementen.
Je größer das Angebot dieser Elemente in der
Nahrung ist, desto mehr wird auch resorbiert
und verbleibt eine mehr oder minder lange Zeit
im Körper. Von einem bestimmten Sättigungs-
wert an bildet sich ein Gleichgewichtszustand
zwischen Aufnahme und Ausscheidung.
Einen Anreicherungsvorgang im Nahrungss
tem eines Süßwassersees zeigt Abb. 7.02.
Anreicherungsfaktoren geben das Verhältnis d
Strontium-90-Konzentration im Organismus
der imWasser an. Die Anreicherungsfaktoren si
auf das Frischgewicht bezogen und in relativ
Einheiten angegeben.
Süßwasser
1
Barsch
(Knochen)
3.000
Elritze
950
Plankton
180
Wasserpflanzen
280
Muscheln
(Fleisch)
730
Bisamratte
(Knochen)
3.500
Nerz
(Knochen)
820
Bieber
(Knochen)
1.300
Bodensediment
180
Abb. 7.02
Typische Anreicherungsfaktoren von
Sr-90 im Nahrungssystem eines Süß-
wassersees
Grundwasser
Trinkwasser
Viehtränke
Bewässerung
Nahrungsauf-
nahme aus
dem Wasser
äußere
Bestrahlung aus
dem Wasser
Ablagerung
auf Weiden
Frischmilch
Fleisch und
Fleischprodukte
Ablagerungen
auf dem Boden
äußere Bestrahlung
Ablagerungen auf und
in Nahrungspflanzen
nasse und trockene Ablagerung
Gase · Staub · Aerosole
Inhalation
und äußere
Bestrahlung
aus der Luft
Milch-
produkte
Abb. 7.01
Expositionspfade für radioaktive Stoffe
Expositionspfade
:
• Externe Exposition
Wolkenstrahlung
Bodenstrahlung
• Interne Exposition
Inhalation
Ingestion
Symptome der Strahlenkrankheit
Ab einer Dosis von 1 Sievert treten beim Men-
sch n erst Symptome der S rahlenkrankheit wie
Übelkeit u d Erbr chen auf. Bei höheren Do is-
werten können beim Menschen Strahlenschäden
auftreten, die sich u. a. in verbrennungsähnlichen
Hautschäden, Haarausfall und Blutarmut äußern.
Eine akute Ganzkörp rexposition von 5 Sievert
führt bei etwa 50 Prozent der Betroffenen inner-
halb eines Monats zum Tode. Ab einer kurzzeiti-
gen Strahlenexposition von 20 Sievert treten Schä-
den am zentralen Nerv nsystem auf, die meist
innerhalb weniger Tage tödlich wirken.
1...,19,20,21,22,23,24,25,26,27,28 30,31,32,33,34,35,36
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