Zeitbild Wissen: Kernenergie - Die Situation in Deutschland - page 5

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Zeitbild Wissen
Schwere Fehler des
Kernkraftwerksbetreibers
Eine von der japanischen Regierung
eingesetzte Expertenkommission hat dem
Kraftwerksbetreiber Tepco (Tokyo Power Company)
schwere Versäumnisse vor und auch während der
Katastrophe vorgeworfen: Tepco rechnete nicht
mit einer Situation, bei der alle Stromquellen
wegen einer Naturkatastrophe gleichzeitig
unterbrochen würden und habe die Mitarbeiter
nicht ausgebildet, entsprechend darauf zu
reagieren. Das Unternehmen habe zudem falsch
auf die Katastrophe reagiert. Die Kernschmelzen
in den Reaktoren und das Entweichen radioaktiver
Stoffe hätten deutlich begrenzt werden können,
wenn in den Reaktoren 1 und 3 früher Überdruck
abgebaut und sehr viel schneller Wasser zur
Kühlung zugeführt worden wäre. Auch sei die
Kommunikation zwischen den Einsatzteams
äußerst mangelhaft gewesen.
Fukushima und die
Folgen in Deutschland
Die Katastrophe in Japan hatte direkte
Auswirkungen auf die Politik in Deutschland.
Am 15. März 2011 entschied die Bundesregierung,
sieben vor 1980 ans Netz gegangene Kern-
reaktoren zunächst abzuschalten. Die Bundes-
regierung richtete eine Ethikkommission „Sichere
Energieversorgung“ zur Neubewertung der
Risiken der Kernenergie und als Ratgeber der
zukünftigen Energieversorgung ein. Die Reaktor-
Sicherheitskommission (RSK) wurde beauftragt,
den Zustand der 17 deutschen Kernkraftwerke
sicherheitstechnisch zu prüfen.
Dieser sogenannte nationale Stresstest be-
scheinigte den deutschen Kernkraftwerken
sicherheitstechnische Robustheit, führte jedoch
auch Möglichkeiten zur weiteren Verbesserung
der Sicherheitsreserven auf. Zusätzlich wurden
Kernkraftwerk Fukushima Daiichi nach dem Tsunami
und den nachfolgenden Wasserstoffexplosionen
11. März 2011
14:46 Uhr: Seebeben vor der japanischen Küste +++ Automatische
Schnellabschaltung aller Kernkraftwerke an der Ostküste +++ Tsunami trifft
die Ostküste Japans nachmittags gegen 15:00 +++ Überflutung des Kraftwerks
Fukushima Daiichi +++ Dadurch Ausfall der Strom- und Notstromversorgung
sowie der Kühlsysteme +++ Regierung ruft abends den nuklearen Notstand aus
+++ Behörden ordnen Evakuierung der lokalen Bevölkerung an.
12. März 2011
Messung von erhöhter Radioaktivität in und um das KKW Fukushima Daiichi
+++ Evakuierungszone auf zehn Kilometer erweitert +++ Wasserstoffexplosion
in Reaktor 1, Dach und Wände des Gebäudes werden zerstört +++ Radius
der Evakuierungszone auf 20 Kilometer vergrößert, 140.000 Menschen sind
betroffen.
13. März 2011
Japanische Atomaufsicht teilt mit, dass in Fukushima möglicherweise eine
Kernschmelze begonnen hat.
14. März 2011
Wasserstoffexplosion in Reaktor 3 des KKW Fukushima Daiichi +++ Brennstäbe
im Reaktor 2 liegen trocken +++ Regierungssprecher erklärt am Abend, dass
möglicherweise in drei Reaktoren eine Kernschmelze droht.
15. März 2011
Explosion in Reaktor 2, Feuer nach einer Explosion in Reaktor 4 +++ Sehr
hohe Werte an Radioaktivität auf dem Gelände des Kraftwerks +++ zeit- und
stellenweise hohe Strahlungsintensität +++ Erhöhte Radioaktivität am Rand des
Großraums Tokio festgestellt.
C h r o n o l o g i e d e r e r s t e n T A g e
deutsche Kernkraftwerke einer EU-weiten
Überprüfung
(EU-Stresstest)
unterzogen.
Dieser nukleare EU-Stresstest bestätigte die
Ergebnisse der RSK und empfahl ebenfalls
Sicherheitsverbesserungen. Im Juni 2011 beschloss
der Deutsche Bundestag den Ausstieg aus der
Kernenergie bis 2022.
Ein Jahr danach – 2012
In den ersten Tagen der Katastrophe wurde
aufgrund der Wetterlage ein großer Teil der
radioaktiven Stoffe, insbesondere Jod und Cäsium,
aufs Meer verweht. Später gelangten nach Drehen
des Windes radioaktive Stoffe in die Provinz
Fukushima. Insgesamt wurden zwischen fünf
und zehn Prozent der 1986 beim Reaktorunfall
von Tschernobyl (damalige UdSSR) freigesetzten
Menge emittiert. Bis in eine Entfernung von 40
Kilometern wurden radioaktive Kontaminationen
gemessen. Die WeltgesundheitsorganisationWHO
berechnete für weite Bereiche der dortigen
Präfektur Strahlendosen von 1 bis 10 mSv und für
zwei höher belastete Beispielgebiete von 10 bis
50 Millisievert (mSv) 80.000 Menschen wurden
evakuiert, von denen bislang einige zumindest
zeitweise in ihre Heimat zurückkehren konnten.
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