Zeitbild Wissen: Kernenergie - Die Situation in Deutschland - page 7

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Zeitbild Wissen
Im Herbst 2010 beschloss die Bundesregierung ein „Energiekonzept
für eine umweltschonende, zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung“.
Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima hat der Deutsche Bundestag
beschlossen, zügig aus der Nutzung der Kernenergie auszusteigen.
Die energiepolitischen Ziele der Bundesregierung, bezogen auf elektrische Energie:
• Reduktion des Stromverbrauchs um 10 % bis 2020 und um 25 % bis 2050 (gegenüber 2008).
• Anteil der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch:
35 % bis 2020 und 80 % bis 2050.
• Beschleunigung des Ausbaus der Offshore-Windleistung sowie Ausbau der
Netzinfrastruktur (Nord-Süd-Trassen).
• Ausstieg aus der Kernenergienutzung in Deutschland bis 2022.
Auswirkungen auf die Stromversorgung
Vor dem Hintergrund des Kernenergieausstiegs geht es mittelfristig vor allem
darum, eine sichere Stromversorgung zu gewährleisten, um mögliche Stromausfälle
zu vermeiden. Hierzu muss – parallel zum Ausbau der erneuerbaren Energien – das
vorhandene Stromnetz so erweitert und modernisiert werden, dass es künftigen
Anforderungen gerecht wird, insbesondere mit Blick auf eine Nord-Süd-Stromachse
von Offshore-Windparks zu den Verbrauchszentren der Ballungsräume in West- und
Süddeutschland.
Auch die Frage der Speicherung von Strom aus erneuerbaren Energien stellt sich
für die Zukunft. Diese Speicher gleichen die Unterschiede zwischen Stromnachfrage
und schwankendem Stromangebot von Windkraft- und Photovoltaikanlagen aus. In
Deutschland dienen Pumpspeicherkraftwerke diesem Zweck, die wenigen Anlagen sind
aber schon heute nicht ausreichend in der Lage, Stromproduktionsspitzen durch die
erneuerbaren Energien aufzunehmen.
Weltstrombedarf steigt
Der globale Bedarf an elektrischer Energie ist
in den letzten 20 Jahren rasant angestiegen und
wird nach Auffassung von Energieexperten auch
in der Zukunft voraussichtlich weiter zunehmen.
Die Gründe hierfür liegen vor allem im
Wirtschaftswachstum einiger bevölkerungsreicher
Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien.
Auch die Forderung nach „Zugang zu Elektrizität
für alle“, wie sie UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon
schon mehrmals geäußert hat, lässt angesichts der
Tatsache, dass noch immer mehr als 1,6 Milliarden
Menschen keinen Zugang zu Elektrizität haben, für
die Zukunft einen rasanten Anstieg des Verbrauchs
um bis zu 45 Prozent bis 2035 erwarten.
Strom kennt keine Grenzen
Deutschlands Stromnetz gilt als eines der
weltweit sichersten. Sollte es dennoch einmal zu
einemEngpass in der Energieversorgung kommen,
gibt es Unterstützung aus anderen europäischen
Ländern. Für den Stromaustausch haben sich
europäische Länder zu einemgrenzübergreifenden
Verbundnetz zusammengeschlossen. Das Ver-
bundnetz ermöglicht auch den Stromhandel.
Strom wird dort gekauft, wo er gerade am
günstigsten produziert wird. Wer beispielsweise
gerade über freie Stromkapazitäten verfügt, bietet
diese über die Strombörse zum Kauf an.
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