atw - Oktober 2017

Themen im Oktober 2017:

EURATOM: Ergebnisse und Herausforderungen
Nachhaltiger Betrieb von Forschungsreaktoren
Seismische Gefährdungsbeurteilung für einen Forschungsreaktor
Entsorgung von radioaktiven Abfällen in Südkorea
AMNT 2017: Workshop Kompetenzerhalt in der Kerntechnik

GAO-Bericht und EDF-Kostenrevisionen – Debatte über Hinkley Point C

NucNet

Die Ankündigung des französischen staatlichen Energieversorgers EDF, dass sich die geschätzten Kosten für zwei neue Reaktoren in Hinkley Point C um 1,5 Mrd. £ (1,7 Mrd. €, 1,9 Mrd. $) erhöht haben, wirft die Frage auf, ob die Regierung das Projekt überdenken und Politiker die Projektaufgabe fordern sollten. Die Ankündigung von EDF kam kurz nach Veröffentlichung eines Berichts des Government Accountability Office (GAO) zur Vereinbarung der Regierung für die beiden EPR-Kernkraftwerke und geschätzten Kosten von 19,6 Mrd.  GBP (22,3 Mrd. EUR, 25,5 Mrd. USD) und der Frage nach strategischem und wirtschaftlichen Nutzen des Projektes. Das Energy Technologies Institute (ETI) hatte in einem Bericht bereits angemerkt, dass die Ermittlung absehbarer Kosten für Kernkraftwerksprojekte eine große Herausforderung darstellt.

EURATOM: Herausforderungen und Unterstützung bei europaweiten Infrastrukturvorhaben

Roger Garbil et al.

Die Rahmenprogramme der Europäischen Atomgemeinschaft (Euratom) für Forschung und Ausbildung profitieren von stetigen Erfolgen der Spitzenforschung und der Erleichterung paneuropäischer Kooperationen mit einem breiten Spektrum der Nuklearwissenschaften und -technologien sowie dem Strahlenschutz. Um die wichtigsten Ziele der Euratom-FuE-Programme zu erreichen, die darauf abzielen, ein hohes Niveau an kerntechnischem Know-how zu erhalten und auszubauen sowie eine dynamischere und wettbewerbsfähigere europäische Industrie zu etablieren, werden die Mobilität der Forscher durch die Kofinanzierung des transnationalen Zugangs zu Forschungsinfrastrukturen (FuE) und die gemeinsamen Forschungstätigkeiten gefördert. Die „Euratom-Ergebnisse und -Herausforderungen“ zeigen die Vorteile der Forschungsanstrengungen in den Schlüsselbereichen, den Aufbau einer wirksamen „kritischen Masse“, die Förderung der Schaffung von „Exzellenzzentren“ mit einer verstärkten Unterstützung des „offenen Zugangs zu den wichtigsten Forschungsinfrastrukturen“, die Nutzung von Forschungsergebnissen, das Wissensmanagement, die Verbreitung sowie den Austausch von Ergebnissen.

Haftung deutscher Lieferanten und Dienstleister bei Auslandsprojekten

Christian Raetzke

Der Beitrag beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit sich deutsche Anlagenbauer, Zulieferer, Ingenieurberater, Gutachter oder Betreiber einer Haftung für Lieferung ihrer Produkte und Dienstleistungen ins Ausland aussetzen. Im Grundsatz gilt in fast allen Kernenergieländern die Kanalisierung der Haftung auf den Betreiber; Lieferanten und Dienstleister sind von der Haftung befreit. Es gibt jedoch denkbare Fallgestaltungen, in denen dieses Prinzip nicht greift. Das kann z. B. dann eintreten, wenn man einen großen Unfall unterstellt, der Auswirkungen auf Nachbarländer des Bestimmungslandes hat; hier könnte, je nach anwendbarem Recht, der deutsche Zulieferer bzw. Dienstleister zu Schadensersatz verurteilt werden. Das solchermaßen verbleibende Haftungsrisiko kann ggf. mit einer Freistellungsklausel im Liefervertrag gemindert werden. Erörtert wird auch die Regelung des Rückgriffs des Betreibers auf den Auftragnehmer, sofern dieser den Unfall verschuldet hat, und die – umstrittene – Frage, inwieweit ein Schaden an der Anlage selbst Schadensersatzansprüche des Betreibers gegen den Auftragnehmer begründet.

Nachhaltiger Betrieb von Forschungsreaktoren – Eine bibliographische Studie

Eduardo Kibrit, Afonso Rodrigues de Aquino, Adriana Marotti de Mello und Paulo Tromboni de Souza Nascimento

Nachhaltigkeit gewinnt für die Betriebsführung von Forschungsreaktoren eine zunehmende Bedeutung. Über eine bibliographische Recherche wurden nachvollziehbare und nachhaltige Betriebsabläufe von Betreiberorganisationen von Forschungsreaktoren identifiziert. Die angewandte Methodik bestand in der Sammlung von Material, einer beschreibenden Analyse, der Auswahl der analytischen Kategorien und einer Bewertung. Die Auswertung zeigt Referenzen auf, klassifiziert nach den vorher festgelegten analytischen Kategorien und bietet damit ein Mittel zur Bewertung für eine optimierte Betriebsführung.

Bewertung von RELAP/SCDAPSIM/MOD3. X anhand von Integralexperimenten

Chris M. Allison und Judith K. Hohorst

Der RELAP/SCDAPSIM-Code, der das Verhalten von Reaktorsystemen unter Normal- und Unfallbedingungen simuliert, wird von Innovative Systems Software (ISS) im Rahmen des internationalen SCDAP-Entwicklungs- und Schulungsprogramms (STDP) entwickelt. Das von ISS entwickelte RELAP/SCDAPSIM nutzt die zugänglichen SCDAP/RELAP5-Modelle und Korrelationen. Auf Experimenten basierende Versionen enthalten verbesserte Modelle für LWRs mit verbesserten SCDAP-Modellen und Korrelationen. Die neuen Modelle werden vorgestellt und es wird beschrieben, wie diese in die experimentellen Versionen von RELAP/SCDAPSIM integriert wurden. Darüber hinaus werden die umfangreichen Evaluierungs- und Verifikationsaktivitäten vorgestellt, die derzeit von ISS und Universitäten sowie Instituten weltweit durchgeführt werden.

Seismische Gefährdungsbeurteilung für den Standort des Teheraner Forschungsreaktors (TRR)

Kamran Sepanloo, Majid Alinejad, Ehsan Bazarchi und Reza Saberi

Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit für das Auftreten eines schweren Erdbebens für Teheran/Iran mit erheblichen möglichen Schäden für Infrastruktur und Einwohner. Damit stellt sich auch die Frage der Erdbebensicherheit für die kerntechnischen Einrichtungen in der Region. In einer Studie wurden Risiken für den Teheraner Forschungsreaktor ermittelt. Im Ergebnis wird aufgezeigt, dass sowohl die Lage des Epizentrums des Bebens als auch die Richtcharakteristik der Erdbebenwellen zu berücksichtigen sind. Diese sind daher in die seismische Gefährdungsbeurteilung mit einzubeziehen.

Vergleich von Kationenaustauscherharz und Elektrodeionisierung mit dem Verfahren AMI CACE in der Anwendung in Kraftwerken

Manuel Sigrist

Die Leitfähigkeitsmessung nach einem Kationenaustauscher in Kraftwerken mit Dampfturbinen wurde in den 1950er Jahren von Larson und Lane eingeführt. Aufgrund der Einfachheit des Messprinzips, der Empfindlichkeit gegenüber ionischen Verunreinigungen und ihrer hohen Zuverlässigkeit ist die Leitfähigkeitsmessung nach starksaurem Kationenaustauscher (CACE) der wohl häufigste online gemessene Parameter der Chemie in Wasser-Dampfkreisläufen. SWAN hat die Anwendbarkeit der Elektrodeionisierung (EDI) als Ersatz für das herkömmliche Kationenaustauscherharz untersucht und auf dieser Basis ein neues Leitfähigkeitsinstrument entwickelt.

Entsorgung von radioaktiven Abfällen und Schlussfolgerungen für die geologische Tiefenlagerung in Südkorea

Tae Ho Woo und Kyung Bae Chang

In Südkorea wurde kürzlich der Masterplan für ein Endlager für radioaktive Abfälle veröffentlicht. Das tiefengeologische Endlager soll im Jahr 2053 zur Verfügung stehen. Im Rahmen dieser Studie wurde zur Beurteilung der Langfristsicherheit das Verhalten von sechs möglichen Abfallformen simuliert. Neue Techniken der Abfallbehandlung, wie z.B. Pyrolyse, können die Lagerung vereinfachen. Darüber hinaus mögliche Optionen, wie die Transmutation, erscheinen heute noch als sehr aufwändig und kostenintensiv.

AMNT 2017: Workshop Kompetenzerhalt in der Kerntechnik

Wolfgang Steinwarz

Auf dem 19. Workshop „Kompetenzerhalt in der Kerntechnik“ präsentierten 17 junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Ergebnisse ihrer Diplom-, Master- oder Doktorarbeit und demonstrierten ein breites Spektrum an Themen. Dies bewies einmal mehr das große Engagement der jüngeren Generation für die Kerntechnik und die maßgebliche Unterstützung durch die beteiligten deutschen Institutionen. Die Jury zeichnete Thomas Schäfer (Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf) mit dem Siempelkamp-Kompetenzpreis 2017 aus.

Kernkraftwerksneubauten müssen den Kurs für eine saubere Energiezukunft halten

John Shepherd

Neue Zahlen deuten darauf, dass Offshore-Windparks in Großbritannien zu einem niedrigen Rekordpreis gebaut werden könnten – und damit billigeren Strom produzieren als Kernkraftwerke. Dies rüttelte auch die Nuklearindustrie auf. Lobbyisten der Windenergie triumphierten mit den Zahlen des Department for Business, Energy and Industrial Strategy (UK),die nach einer Differenzpreisauktion vorgestellt wurden. Die Äußerungen der Protagonisten sind allerdings erstaunlicher als die Daten, die aus dem Bericht hervorgehen. Tom Greatrex, Nuclear Industry Association (NIA), äußerte sich dazu: „Berichte, dass die Kosten künftiger Offshore-Windprojekte sinken könnten (wenn sie denn gebaut werden), sind eine gute Nachricht. Die britische Organisation für erneuerbare Energien sowie Kommentatoren und Branchenexperten sagen aber auch deutlich, dass eine Technologie allein die Herausforderungen der zukünftigen Energieversorgung Großbritanniens nicht lösen kann.“

 

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