Deutsches Atomforum zum Vorfall in Tokaimura

Berlin, 01.10.1999

Als das Ergebnis eines schwerwiegenden Verstoßes gegen elementare Grundsätze im Bereich der Sicherheitskultur hat das Deutsche Atomforum in Berlin den Vorfall in der japanischen Uranverarbeitungsanlage Tokaimura bezeichnet. Der Sache der friedlichen und sicheren Nutzung der Kernenergie sei durch diesen erneuten Vorfall in Japan weltweit ein erheblicher Vertrauensschaden zugefügt worden. Irgendeine Übertragbarkeit auf deutsche Verhältnisse sind laut Atomforum nach Einschätzung der Fachleute und beim Stand der deutschen Sicherheitskultur und Sicherheitspraxis auszuschließen.

Bei der Anlage in Japan handelt es sich im Übrigen weder um ein Kernkraftwerk noch um eine Wiederaufarbeitungsanlage. Tokaimura ist eine Konversionsanlage, in der die für die Herstellung von Brennelementen erforderlichen Grundstoffe hergestellt werden. Nur durch einen eklatanten Verstoß gegen elementare Produktionsregeln kann nach der vorläufigen Einschätzung der Fachleute eine Kettenreaktion ausgelöst worden sein: Wie inzwischen die japanischen Behördenerklären, habe ein Arbeiter statt der vorgeschriebenen 2,3 Kilo Urangemisch 16 Kilo in einen Tank eingefüllt. Inzwischen ist nach allen vorliegenden Informationen die Kettenreaktion gestoppt; der Neutronenmesswert steht auf Null. Wie weiter gemeldet, ist inzwischen auch die Radioaktivität außerhalb der Anlage wieder im Normbereich; die Bewohner können wieder ihre Häuser verlassen. Das war zunächst als Vorsichtsmaßnahme von den Behörden untersagt gewesen.

Unabhängig von der derzeitigen Informationslage wird die deutsche Kernindustrie die Vorfälle sehr detailliert analysieren. Der Vorgang zeigt nach Auffassung des Atomforums deutlich, wie wichtig der internationale Erfahrungsaustausch im Sinne einer ständigen Verbesserung von Sicherheitsstandards und Sicherheitspraxis ist.

Wie Siemens inzwischen mitteilte, sind die Brennelementewerke in Deutschland und in den USA "kritikalitätssicher" ausgelegt. Ein vergleichbarer Unfall könne weder bei einer Fehlbedienung noch durch äußere Einwirkungen ausgelöst werden.

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