Uran-Recycling in deutsch-russischer Zusammenarbeit

Berlin/Moskau, 16.05.2000

Brennelemente-Fertigung dient Friedenssicherung in Europa

In deutschen Kernkraftwerken ist der Einsatz von sogenannten Enriched-Reprocessed-Uranium (ERU)-Brennelementen geplant, die von dem Unternehmen Siemens unter Einschaltung des russischen Brennelement-Herstellers Mashinostroitelny Zavod (MSZ) geliefert werden. Durch diese Kooperation erhalten die deutschen Kernkraftwerksbetreiber eine wirtschaftlich tragfähige Möglichkeit zur Verwendung des bei der Wiederaufarbeitung von Brennelementen zurückgewonnenen Urans. Da zur Wiederanreicherung des Recycling-Urans hauptsächlich Kernbrennstoff aus russischen Militärbeständen Verwendung findet, wird damit gleichzeitig ein auch von der deutschen Bundesregierung gewünschter friedenssichernder Beitrag zur Abrüstung geleistet.

Nach einem umfassenden Qualifikationsprogramm und erfolgreichen Probelieferungen erfolgen in diesem Jahr aus Russland die ersten kommerziellen Lieferungen von ERU-Brennelementen, die in deutschen Reaktoren zum Einsatz kommen.

Siemens/KWU hat die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen MSZ in der russischen Stadt Elektrostal (etwa 50 Kilometer östlich von Moskau) 1994 aufgenommen, da Siemens nach Schließung des Brennelementewerkes Hanau über keine eigene Fertigungsstätte mehr verfügt, die ERU-Brennstoff verarbeiten kann. MSZ ist der hauptsächliche Hersteller von Brennelementen für Reaktoren russischer Technik. Das Unternehmen ist mit modernsten Fertigungseinrichtungen nach westeuropäischen Qualitätsstandards ausgestattet. Die Hüllrohre der Brennstäbe und die übrigen Strukturteile der Brennelemente werden von Siemens aus Deutschland nach Russland geliefert, die Fertigung erfolgt nach Siemens-Spezifikation und wird von Siemens und den Gutachtern der Behörden überwacht.

Erste Probelieferungen von Brennstäben aus frischem Uran wurden schon 1995 in dem deutschen Kernkraftwerk Obrigheim (KWO) und dem Schweizer Reaktor Gösgen eingesetzt. In den Jahren 1996 und 1997 kamen im KWO sogenannte Vorläufer-Brennelemente zum Einsatz und zeigten ein sehr gutes Betriebsverhalten.

Das technisch-wirtschaftliche Konzept dieser Kooperation ist für die deutsche wie für die russische Seite attraktiv. Die Wiederanreicherung des Recycling-Urans durch Vermischen mit höher angereichertem Uran ist wirtschaftlich vorteilhaft gegenüber der konventionellen Anreicherung in einer Anreicherungsanlage. Die Vereinbarungen sehen vor, dass der größte Teil des zugemischten spaltbaren Urans-235 durch eine Mehrmenge an Recycling-Uran ausgeglichen wird, das von der russischen Seite im Rahmen ihres übrigen Brennelementegeschäfts verwendet wird. Überdies ist das Kooperationskonzept auch unter Abrüstungsgesichtspunkten vorteilhaft. Mit der Nutzung von Uran aus russischen militärischen Beständen für die Energieerzeugung wird dieses Material dem militärischen Potential entzogen und in die international überwachte Spaltstoffkontrolle überführt. Es gibt derzeit keine bessere Möglichkeit zur Verwertung von militärischem Uran als dessen Einsatz zur friedlichen Nutzung.

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