AMNT: Präsident warnt vor kerntechnischem Kompetenzverlust

Berlin, 16.05.2017

In seiner Rede zum 48th Annual Meeting on Nuclear Technology (AMNT 2017) hat der Präsident des DAtF, Dr. Ralf Güldner, vor dem Verlust kerntechnischer Kompetenz bzw. der kerntechnischen Forschung und Industrie in Deutschland gewarnt. Güldner erklärte, dass die Herausforderung für die Kerntechnik in Deutschland in der langfristigen Bereitstellung von Kompetenz liege. Dies gelte für die Forschung, die Industrie sowie den Staat selbst und setzte die Anwendung von Kompetenz etwa in industriellen Projekten zur Nachrüstung von Anlagen oder in der Entwicklung voraus. Die internationale Nachfrage nach deutscher Sicherheitsexpertise, die einen sehr guten Ruf genieße, trage zu solcher Kompetenz bei. Er warnte, dass der beschlossene Ausstieg nicht zu einem Risiko des Kompetenzverlustes führen dürfe. 

„Die kerntechnische Sicherheitsforschung bildet die Grundlage für die Kompetenz in Sicherheitsfragen, bei denen Deutschland dauerhaft mitgestalten und Einfluss ausüben will. Wenn wir an der internationalen Diskussion von Sicherheitsstandards weiter teilnehmen wollen, dann ist Kontinuität in der Sicherheitsforschung unverzichtbar“, so Güldner in seiner Rede. Er beklagte, dass die Reaktorsicherheitsforschung besonders bei innovativen Themen inzwischen als überflüssig betrachtet werde und viele Landesregierungen damit nichts mehr zu tun haben wollten. Lehrstühle würden nicht besetzt und Universitäten und Forschungsinstitute so geprägt, dass sie sich aus Bereichen zurückzögen, die nicht Entsorgung oder Rückbau zuzuordnen seien.

Güldner schlägt deshalb einen Neubeginn für die Sicherheitsforschung vor: „Die Lösung könnte in einem neuen Kompetenzzentrum für kerntechnische Sicherheit liegen, in dem ohne den Ballast der Auseinandersetzungen der Vergangenheit aktuelle Themen bearbeitet werden können. Dort können die Kapazitäten gebündelt, Forschung, Staat und Industrie vernetzt sowie ein attraktiver Hub für unsere internationale Zusammenarbeit gebildet werden.“

Güldner macht darauf aufmerksam, dass die Kernenergie weiter zur sicheren Stromversorgung in Deutschland beitrage. Mit dem Betrieb bis 2022 werde auch der politische Konsens zur Energiewende umgesetzt. Er erklärt dazu: „Es darf daher für den Betrieb der Kernkraftwerke in den letzten Jahren keine sachlich unbegründeten Erschwernisse geben.“ Güldner erinnert daran, dass die Anlagen zur Urananreicherung und Brennelementfertigung explizit vom Ausstieg aus der Kernkraftnutzung ausgenommen seien und lehnt Bestrebungen zur Ausweitung des Ausstiegs ab.

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