• kernenergie.de
  • kernenergie.de
  • kernenergie.de
  • kernenergie.de

Mit 32 schon in Rente? Kernenergie im Energiemix der Zukunft

Energie im Dialog mit dem Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit a.D. Wolfgang Clement
14. September 2010, Atrium der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Berlin

Die Energiepolitik in Deutschland ist mit dem Regierungswechsel 2009 in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt. Das DAtF möchte in dieser Diskussion seinen Beitrag leisten und hat ein neues Veranstaltungsformat ins Leben gerufen, die Gesprächsreihe "Energie im Dialog". Den Auftakt bildete ein Gespräch mit Wolfgang Clement, Bundesminister a. D., und Dr. Ralf Güldner, Präsident des DAtF, unter dem Titel "Mit 32 schon in Rente? - Kernenergie im Energiemix der Zukunft".


Dr. Ralf Güldner, Foto: Gunter Klötzer

Im Atrium der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Berlin erläuterte Dr. Güldner in der Eröffnungsadresse die Intention der neuen Gesprächsreihe "Energie im Dialog". Diese solle den energiepolitischen Diskurs vor allem faktenorientiert und sachlich befördern und dabei aktuelle Themen aufgreifen. In seinem inhaltlichen Impuls stellte er fest, dass die Diskussion über eine Laufzeitverlängerung, die nun vorgezeichnet sei, lange gedauert und viel Aufmerksamkeit beansprucht habe. Güldner erklärte, dass die energiepolitische Debatte auch nach der Vorstellung eines Entwurfs zum Energiekonzept von medienwirksamen Gegenüberstellungen geprägt bleibe: Großkonzerne gegen Mittelstand oder Stadtwerke, Kernenergie gegen Erneuerbare, etc. Die wesentlichen Fragen der Energiepolitik - Versorgungssicherheit, Umweltverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit - würden dagegen wenig Beachtung erfahren. Er betonte, dass in der Bundestagswahl 2009 die Energiepolitik und das Thema Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke eine herausgehobene Rolle gespielt hätten und erklärte, dass in der Beachtung ihrer Wahlprogramme bei CDU, CSU und FDP Geradlinigkeit, Verlässlichkeit und Strategiefähigkeit zum Ausdruck kämen.

In seiner Bewertung des Kompromisses stellte Güldner die positive Laufzeitverlängerung den problematischen finanziellen Regelungen gegenüber. Die Festsetzung der Kernbrennstoffsteuer auf sechs Jahre und die Vereinbarungen über einen Ökostromfonds führten dazu, dass die Unternehmen in den kommenden Jahren mit erheblichen Einbußen zu rechnen hätten und Erträge erst zu späteren Zeiten anfallen könnten.


Wolfgang Clement, Dr. Jeanne Rubner, Dr. Ralf Güldner, Foto: Gunter Klötzer

Der Gastredner des Abends, Wolfgang Clement, begrüßte die Entscheidung der Bundesregierung zu einer Laufzeitverlängerung angesichts der vorangegangenen Debatte und der Ankündigungen der Kernkraftgegner als einen mutigen politischen Schritt. Er stellte fest, dass die Belastungen der Unternehmen erheblich seien und mehr als 50 Prozent der Gewinne der Laufzeitverlängerung abgeschöpft würden. Wegen hoher Belastungen in der nahen Zukunft und später anfallenden, unsichern Gewinnen seien Absicherungen, wie in der Vereinbarung mit der Bundesregierung getroffen, aktienrechtlich unvermeidlich.


Michael Glos, Wolfgang Clement, Foto: Gunter Klötzer

Clement beklagte, dass die Energiedebatte in Deutschland sich von der Realität abgekoppelt habe. Bis zum Jahr 2030 müssten eine Billion Euro in die europäische Stromversorgung investiert werden, und mehr Wettbewerb könne vor allem durch eine Öffnung der Netze und Märkte sowie eine einheitliche Netzregulierung in Europa erreicht werden, die auch für das Ziel einer Versorgung mit erneuerbaren Energien notwendig seien. Für den Netzausbau würden ebenso wie für Offshore- Anlagen die großen Versorger als Investoren benötigt.


Dieter H. Marx, Dr. Joachim Pfeiffer, Foto: Gunter Klötzer

Clement bedauerte, dass wegen der Fixierung auf die Laufzeitverlängerung andere Aspekte des Energiekonzeptes unbeachtet blieben: So würde weder über die Perspektiven der CCS-Technik, noch über die Zukunft der energieintensiven Industrien oder die Verwirklichung der Gebäudesanierung diskutiert. Vor allem aber werde nicht angesprochen, wer alles bezahlen solle, sei es mit Geld oder mit Arbeitsplätzen. Er erinnerte an die lange Zeit, die wirtschaftlicher Strukturwandel benötige, und verwies auf die Beispiele des Ruhrgebiets und Ostdeutschlands. Clement äußerte in diesem Zusammenhang seine Zufriedenheit damit, dass die deutsche Industrie im Zusammenhang der Diskussion über die Kernenergie wieder ihre Stimme gefunden habe und forderte, dass Wirtschaft und Wissenschaft in Zukunft häufiger ihre Position einbringen müssten, um die Politiker mit diesen Themen nicht allein zu lassen.


Diskussion, Foto: Gunter Klötzer

In der lebendigen und sachlichen Diskussion mit Fachexperten und Politikern, kamen zahlreiche Themen zur Sprache, vom Wettbewerb im Strommarkt, über die Vereinbarung zwischen Bundesregierung und Betreibern bis zur Akzeptanz der Kernenergie in der Bevölkerung. Besonders intensiv wurde der Komplex der Endlagerung diskutiert. Hier ließ sich Konsens herstellen, dass die Fortsetzung der Erkundung des Endlagerstandortes Gorleben unerlässlich sei und für die gesamte Debatte über die Kernenergie auch strategische Bedeutung habe. Konkret wurde festgehalten, dass die Eignungshöffigkeit von Gorleben derzeit außer Frage stehe und alle so genannten Zweifelsfragen des vormaligen Bundesumweltministers Trittin positiv für Gorleben beantwortet werden konnten. Deshalb sei es wichtig, so Dr. Ralf Güldner, die Erkundung zu Ende zu führen und dann mit den Fakten bei der Bevölkerung der Region um Akzeptanz zu werben. Wolfgang Clement stellte heraus, dass bei der Kommunikation der Endlagerung und des Standortes Gorleben ganz von vorne begonnen werden müsse. Hierfür sei eine umfassende Anstrengung nicht nur der Politik, sondern auch der Unternehmen und der Wissenschaft notwendig, bei der alle Fragen, die fachlich längst beantwortet seien, von neuem erörtert und erklärt werden müssten.


 

Warenkorb

Ihr Warenkorb enthält a Artikel

Zwischensumme: t
zzgl. Versandkosten: t
Endsumme: t

45. Jahrestagung Kerntechnik

Fullscreen Video
Frankfurt, 6.-8. Mai 2014
mehr


Mehr Infos

Kernkraftwerke - Zahlen und Fakten
Physik und Technik - Wissen für jedes Alter
 
 




  • Zum Seitenanfang
  • Drucken