• kernenergie.de
  • kernenergie.de
  • kernenergie.de
  • kernenergie.de

Die energiewirtschaftlichen Herausforderungen der Energiewende in Deutschland

Energie im Dialog
14. Dezember 2011, axica Kongress- und Tagungszentrum, Berlin


Dr. Ralf Güldner, Präsident Deutsches Atomforum

Dr. Ralf Güldner

Die energiewirtschaftlichen und volkswirtschaftlichen Herausforderungen der deutschen Energiewende waren Thema der Tagung "Energie im Dialog" des DAtF am 14. Dezember 2011 im Axica-Kongresszentrum am Pariser Platz in Berlin.

Vor rund 160 Gästen aus Politik, Diplomatie und Energiewirtschaft eröffnete Dr. Ralf Güldner, Präsident des DAtF, die Tagung. In seiner Eröffnungsansprache betonte er, die eigentlichen Ziele der Energiewende dürften nicht aus den Augen verloren werden: Die Vermeidung des Ausstoßes von CO2, und die Verhinderung eines schwerwiegenden Klimawandels, wozu die Kernenergie maßgeblich beitrage. Dementsprechend sei für die Kernenergie in der Energiestrategie der Europäischen Union langfristig eine wichtige Rolle auf dem Weg zu einer kohlenstoffarmen Energiewirtschaft vorgesehen.

Güldner hob hervor, dass der Verzicht auf Kernenergie in Deutschland nicht mit einem Ende der Kernenergie gleichzusetzen sei und verwies auf die Entwicklung in vielen Nachbarländern, wie den Niederlanden, der Tschechischen Republik und Polen. Er stellte fest, dass Deutschland keine energiewirtschaftliche Insel sei und erklärte: "Längerfristig muss das gesamte deutsche Energiewendeprogramm mit der europäischen Energiepolitik und der Situation unserer Nachbarn abgeglichen werden." Zu dieser energiepolitischen Realität gehöre es, dass die Kernkraft in Europa eine bedeutende Rolle spiele und dass indirekt auch deutsche Stromverbraucher dauerhaft Kernkraft nutzen würden.

Güldner erklärte, die deutsche kerntechnische Industrie "gehört nach wie vor zur weltweiten Spitzengruppe und setzt immer wieder Maßstäbe bei Innovation, Zuverlässigkeit und Effizienz". Durch diese Spitzenstellung bei Technik und Sicherheit in der weltweiten Branche könne sie maßgeblich vom Ausbau der Kernkraft in vielen Ländern profitieren. Es müsse darauf geachtet werden, dass Hersteller und Dienstleister nicht Opfer des Ausstiegs aus der Nutzung der Kernenergie in Deutschland würden und man ihnen politisch keine Steine in den Weg lege.

Zur aktuellen politischen Diskussion über ein Endlagersuchgesetz äußerte Güldner: "In jedem Fall sollte der Fortführung und dem Abschluss der Erkundung Gorlebens die Priorität eingeräumt und die laufende vorläufige Sicherheitsanalyse zeitnah abgeschlossen werden." Die parallele oberirdische Erkundung anderer Standorte lasse sich sachlich nur als zeitnah zu entwickelnde Optionen für den Fall einer Nicht-Eignung des Standortes Gorleben rechtfertigen.

Als nächster Redner richtete Dr. Jürgen Großmann, Vorstandsvorsitzender der RWE AG, seinen Blick auf die Energiewende und die kerntechnische Branche in Deutschland. Großmann stellte die negativen Folgen der politischen Wende vom Frühjahr für sein Unternehmen dar, beklagte den Schaden für die Investitionssicherheit in Deutschland und erklärte, dass die möglichen Risiken und Nebenwirkungen der Energiewende nicht erst dann berücksichtigt werden sollten, wenn Schäden bereits eingetreten seien.

Mit Blick auf die Zukunft der Kerntechnik in Deutschland betonte Großmann, dass auch weiterhin ein erheblicher Bedarf an Fachkräften bestehe, um die Herausforderungen des Rückbaus bei Betreibern, Dienstleistern, Gutachtern und Genehmigungsbehörden bewältigen zu können. Er gab sich zuversichtlich, dass die deutsche Kerntechnik bei der sehr anspruchsvollen Aufgabe des Rückbaus von Kernkraftwerken weltweiter Technologieführer werden könne.

Im Anschluss daran präsentierte Stefan Kohler, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung, die Herausforderungen für die Netzinfrastruktur in Deutschland, die sich aus dem Energiekonzept der Bundesregierung ergeben. Kohler mahnte dabei an, die Kongruenz energiepolitischer Ziele stärker zu beachten und machte auf Widersprüche aufmerksam wie die Forderung eines sinkenden Stromverbrauchs bei gleichzeitiger Förderung zusätzlicher Anwendungen für Strom oder die Problematik, zugleich die Anwendung der Kraft-Wärme-Kopplung deutlich auszuweiten und den Wärmebedarf von Gebäuden drastisch zu verringern.

Kohler hob hervor, dass die Herausforderungen der Energiewende eine systemweite Betrachtung erforderten. Dabei müssten Lösungen mit Blick auf das Gesamtsystem der Stromversorgung hin optimiert werden. Es sei auch die Einbindung in den europäischen Stromverbund und die bestehenden Marktmechanismen zu berücksichtigen. So gehörten etwa der Ausbau der deutschen Übertragungs- und Verteilnetze sowie die Erweiterung der Kapazitäten der Grenzkuppelstellen zusammen.

Der Vortrag des Energiewirtschaftlers Prof. Dr. Felix Müsgens von der TU Cottbus und das Impulsreferat des Präsidenten des Münchener Ifo-Instituts, Prof. Dr. Hans-Werner Sinn, gaben einen Überblick über die volkswirtschaftlichen Auswirkungen der Energiewende vor allem im Blick auf Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Müsgens stellte die Preissteigerungen in Folge der Energiewende und verschärft durch den beschleunigten Ausstieg aus der Kernenergie in den Mittelpunkt. Diese würden mittel- und langfristig zu einer schleichenden Auszehrung des Industriestandortes und einer Verkürzung der Wertschöpfungsketten führen.

Sinn hob besonders hervor, dass die deutsche Energiepolitik mit dem raschen Ausstieg aus der Kernenergie weitgehend allein stehe und die Kernenergie von Standorten außerhalb der deutschen Grenzen weiterhin eine wichtige Rolle bei der Versorgung Deutschlands spielen werde. Er kritisierte die politisch Verantwortlichen dafür, dass sie sich zu einseitig den Chancen der Energiewende widmeten und den Problemen nicht genug Aufmerksamkeit schenkten. Durch ein immer weiter gehendes Ausschalten von Marktmechanismen befinde sich die Energiepolitik in Deutschland in einer Spirale einander selbst verstärkender Fehlentscheidungen und Fehlallokationen zu Gunsten einer durchsetzungsstarken Minderheit.


Henning Krumrey, Prof. Dr. Hans-Werner Sinn, Prof. Dr. Felix Müsgens, Prof. Dr. Michael Hüther

Henning Krumrey, Prof. Dr. Hans-Werner Sinn, Prof. Dr. Felix Müsgens, Prof. Dr. Michael Hüther

An der anschließenden Diskussion unter der Moderation von Henning Krumrey von der Wirtschaftswoche nahm neben Müsgens und Sinn auch Prof. Dr. Michael Hüther vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln teil. Die Diskussionsteilnehmer warnten einvernehmlich davor, die Schwierigkeiten zu unterschätzen, die sich ergeben können, wenn die erforderlichen Randbedingungen für die Umstellung auf erneuerbare Energien nicht erfüllt werden. Eine große Schwierigkeit im energiepolitischen Diskurs bestünde derzeit darin, dass es zum eingeschlagenen Kurs keine politische Opposition mehr gebe und deshalb ein politischer Raum, in dem kritische Argumente gewürdigt und aufgenommen werden könnten, im eigentlichen Sinne nicht mehr existiere.

Während Hüther bezüglich der wirtschaftlichen Folgen die Einschätzung vertrat, dass die Energiewende mit beschleunigtem Ausstieg aus der Kernenergie mit hoher Wahrscheinlichkeit zu deutlich negativen Struktureffekte in der deutschen Industrie führen werde, erwartete Sinn, dass die Preisänderungen und Marktreaktionen innerhalb eines europäischen Energiemarktes dazu führen würden, dass die Kostenwirkungen der Energiewende für deutsche Verbraucher abgemildert würden, weil der Import von Strom sich marktgetrieben deutlich ausweiten werde.

Zum Abschluss gingen die Diskussionsteilnehmer auf die Thesen ein, die deutsche Bevölkerung hänge dem Wunschbild eines "energiewirtschaftlichen Biedermeier" an und sei deshalb geneigt, entsprechende Visionen unkritisch zu befürworten. Einer der dabei herausgearbeiteten Aspekte, das Thema zentrale und dezentrale Versorgung, der auch das Grundverständnis des Wirtschaftsstandortes und seiner Infrastruktur betrifft, könnte ein Anknüpfungspunkt für zukünftige Diskussionen sein.


 

Stephan Kohler
Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Energie-Agentur (dena)


 

Warenkorb

Ihr Warenkorb enthält a Artikel

Zwischensumme: t
zzgl. Versandkosten: t
Endsumme: t
 

Mehr Infos

Kernkraftwerke - Zahlen und Fakten
Physik und Technik - Wissen für jedes Alter
 
 




  • Zum Seitenanfang
  • Drucken