Stilllegung

Nach dem beschleunigten Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie zur Stromerzeugung in Deutschland ist die Aufgabe des Rückbaus der Kernkraftwerke in den Vordergrund gerückt. Ziel dabei ist es, mit einem sicheren und effizienten Rückbau das Kraftwerksgelände zu renaturieren oder anderweitig nutzen zu können. Der Rückbau eines abgeschalteten  Kernkraftwerks ist im Atomgesetz vorgesehen, die Kosten dafür trägt der Betreiber des Kraftwerks. Für den Rückbau ist eine gesonderte Genehmigung erforderlich, die von der atomrechtlichen Aufsichtsbehörde erteilt wird.

Unmittelbar nach der Abschaltung eines Kernkraftwerks befinden sich die abgebrannten Brennelemente noch in der Anlage, die mit ihrer bestehenden Betriebsgenehmigung im Nachbetrieb geführt wird. Diese Nachbetriebsphase dauert in der Regel ca. vier bis fünf Jahre, in denen die Brennelemente aus der Anlage in das Standortzwischenlager gebracht werden und Anlagenteile abgebaut werden können, die für den Leistungsbetrieb erforderlich sind. Das können beispielsweise Kühltürme, Maschinentransformatoren oder die Turbinen und der Generator bei Druckwasserreaktoren sein. Auch im Reaktorgebäude können verschiedene Komponenten ausgebaut werden sowie Dekontaminationsarbeiten zur Vorbereitung des Rückbaus stattfinden.

Kernkraftwerke und Entsorgungseinrichtungen
in Deutschland, Dezember 2014 
Kernkraftwerke und Entsorgungseinrichtungen
in Deutschland, Dezember 2014

Im allgemeinen Sprachgebrauch wird „stilllegen“ häufig mit „abschalten“ gleichgesetzt. Tatsächlich beginnt die Stilllegung, wie das Atomgesetz sie versteht, in der Regel erst einige Jahre nach der endgültigen Abschaltung der Anlage, da erst das erforderliche Genehmigungsverfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung durchlaufen werden muss. Ähnliches gilt auch für andere kerntechnische Anlagen wie Forschungsreaktoren und Anlagen zur Versorgung mit und Entsorgung von Kernbrennstoffen.

Kernstück der Stilllegung ist der Rückbau des nuklearen Teils der Anlage und das Management der radioaktiven Abfälle. Die Stilllegung ist eine technisch und organisatorisch anspruchsvolle Aufgabe und erfordert spezifische Fachkenntnisse. In Deutschland und im Ausland gibt es bereits umfassende Erfahrung, sowohl hinsichtlich der Planung und Durchführung als auch bezüglich spezieller Techniken zur Dekontamination und zur Zerlegung von Anlagenteilen. 

Der Rückbau von Kernkraftwerken und anderen kerntechnischen Anlagen ist in Deutschland kein Neuland: Es wurden bereits drei Kernkraftwerke und eine Reihe sonstiger kerntechnischer Anlagen vollständig abgebaut. Auch größere kommerzielle Kernkraftwerke an den Standorten Stade, Obrigheim, Mülheim-Kärlich und Greifswald befinden sich im Rückbau, am Standort Würgassen ist der kerntechnische Rückbau bereits abgeschlossen. Von den Kernkraftwerken die mit der 13. Novelle des Atomgesetzes im Jahr 2011 die Berechtigung zum Leistungsbetrieb verloren haben, erhielten fünf Anlagen ihre Stilllegungs- und Abbaugenehmigung: Isar 1, Neckarwestheim 1, Philippsburg 1, Biblis A und B.

Ziel des Rückbaus ist in der Regel ein vollständiger Abbau der Anlage bis zur so genannten „Grünen Wiese“ bzw. eine uneingeschränkte Nachnutzung des Kraftwerksgeländes. Für den kerntechnischen Rückbau im Anschluss an die Nachbetriebsphase werden rund 10 bis 15 Jahre veranschlagt an deren Ende ein konventioneller Abbruch erfolgt, sofern keine Nachnutzung der Gebäude erfolgt. Die Techniken für den Rückbau sind erprobt, erfahrenes Fachpersonal steht zur Verfügung und die Genehmigung sowie das Management der Stilllegung erfolgen nach eingespielten Vorgehensweisen. Daher bestehen beim Rückbau der Kernkraftwerke keine spezifischen Gefahren für die Bevölkerung, die Umwelt und das Personal.

Für die Kosten von Nachbetrieb, Rückbau, Abriss sowie die Konditionierung und Verpackung der radioaktiven Reststoffe haben die Betreiber der Anlagen Rückstellungen gebildet. Die operative und finanzielle Verantwortung für diese Aufgaben und die dafür gebildeten Rückstellungen verbleiben auch nach der Neuordnung der Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung von 2017 bei den Betreibern der Kernkraftwerke. Demgegenüber geht die  Verantwortung für die Zwischenlagerung sowohl der abgebrannten Brennelemente in den Standortzwischenlagern als auch der schwach- und mittelaktiven Abfälle in den Abfalllagern der Standorte am 1. Januar 2019 bzw. dem 1. Januar 2020 an den Bund über, der die Zwischenlager durch die Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung betreiben wird. Die Mittel u. a. für diese Aufgabe wurden Anfang Juli 2017 von den Betreibern an die bundeseigene Stiftung „Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung“ übertragen.

Der allergrößte Teil der beim Rückbau anfallenden Stoffe kann allerdings wiederverwertet oder  konventionell deponiert werden. Die Aufteilung der Stoffströme in die Kategorien radioaktive Abfälle, deponiepflichtige Abfälle, verwertbare Reststoffe wird in einem Freigabeverfahren gemäß Strahlenschutzgesetz geregelt.

Für die schwach- und mittelaktiven Abfälle ist die Verbringung ins Endlager Konrad vorgesehen, das derzeit errichtet wird und Mitte der zwanziger Jahre zur Verfügung stehen soll. Die abgebrannten Brennelemente sollen in einem Endlager für hochradioaktive Abfälle deponiert werden, für das derzeit ein Standort gesucht wird. Wann ein solches Endlager betriebsbereit sein wird, lässt sich derzeit nicht zuverlässig abschätzen.

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