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Prof. Dr. Dr. h.c. Ortwin Renn

Juni 2013


Prof. Dr. Dr. h.c. Ortwin Renn
Prof. Dr. Dr. h.c. Ortwin Renn

Prof. Dr. Dr. h.c. Ortwin Renn ist Ordinarius für Umwelt- und Techniksoziologie an der Universität Stuttgart und Direktor des Zentrums für Interdisziplinäre Risiko- und Innovationsforschung an der Universität Stuttgart (ZIRIUS). Er war Mitglied in der von Bundeskanzlerin Angela Merkel berufenen Ethikkommission „Zukunft der Energieversorgung“.

Wie bewerten Sie heute im Rückblick von zwei Jahren Arbeit und Ergebnis der Ethikkommission „Sichere Energieversorgung“?


Nach dem Reaktorunfall von Fukushima gab es in der deutschen Bevölkerung kaum mehr einen Rückhalt für eine Laufzeitverlängerung der bestehenden Kernkraftwerke. Auch in den meisten gesellschaftlichen Gruppen war die Akzeptanz nicht mehr gegeben. Insofern war die Empfehlung der Ethikkommission, aus der Kernenergie bis zum Jahre 2022 auszusteigen, eine adäquate Reaktion auf die damalige (und auch weiterhin gültige) Stimmungslage in der Bevölkerung. Gleichzeitig zeigte die Ethikkommission auf, dass ein Verzicht auf Kernenergie verbunden mit einer aktiven Klimapolitik ein ehrgeiziges Gemeinschaftswerk aller Beteiligten notwendig machen würde. Die Umsetzung in Projekte und Politikprogramme, die sich aus diesem Gemeinschaftswerk ergeben, sollte zu einem von einem koordinierenden politischen Gremium gebündelt und zum anderen durch eine öffentliche Plattform effektiv vermittelt werden. Diese beiden Empfehlungen sind bis heute nur halbherzig umgesetzt worden. Das hat dazu geführt, dass viele neue Probleme und Steuerungsdefizite aufgetreten sind, die dringend angegangen werden müssen. Stichworte hier sind Reform des EEG, Einführung von Kapazitätsmärkte, Verbesserung der Energieeffizienz im Hausbestand und anderes mehr. Prinzipiell sind aber die Ziele der Energiewende umsetzbar, wenn nicht politisches Konkurrenzdenken und partikuläre Eigennutzgedanken die Energiepolitik in Deutschland bestimmen.

Welche konkreten Maßnahmen empfehlen Sie, um die Menschen grundsätzlich bei den Fragen Transporte, Zwischenlagerung und Endlagerung hochradioaktiver Abfälle mitzunehmen?

Die drei Schlüsselworte hier sind: Transparenz, Dialog und Beteiligung. Zum ersten ist wichtig, dass alle Fakten und Bewertungen öffentlich zugänglich sind, so dass Befürchtungen über geheim gehaltene Dokumente oder unveröffentlichte Forschungsergebnisse zerstreut werden können. Zum zweiten ist es notwendig, im Dialog mit den relevanten gesellschaftlichen Gruppen und der Bevölkerung die dringlichen Anliegen und Befürchtungen zu sammeln und die damit verbundenen Handlungsvorschläge auf ihre Machbarkeit zu überprüfen. Dieses sollte durch ein unabhängiges Expertengremium geschehen. Schließlich ist es zentral, bei der Standortsuche mehrere Optionen parallel zu erkunden und dann im Rahmen von Beteiligungsverfahren gemeinsam mit Repräsentanten der betroffenen Bevölkerung diejenigen Standorte vergleichend zu bewerten, die alle vorher festgelegten Sicherheitsstandards für die Endlagerung erfüllen. Wichtig ist, dass alle Beteiligten den Eindruck eines fairen, transparenten und umfassenden Auswahlprozesses erhalten.

Was muss Ihrer Meinung nach in diesem Zusammenhang unbedingt vermieden werden?

Zunächst muss vermieden werden, in der Öffentlichkeit den Eindruck zu hinterlassen, man könne den für Deutschland am besten geeigneten Standort objektiv bestimmen. Ein Sicherheitsvergleich über mehrere Wirtsgesteinformationen ist schon aus konzeptionellen Gründen problematisch, aber der wesentliche Grund ist dabei, dass jede Option Vor-und Nachteile haben wird, die man schwer gegeneinander aufrechnen kann. Stattdessen muss es das Ziel sein, mehrere Standorte auszuweisen, die alle die vorher festgelegten Kriterien für die Sicherheit erfüllen. Zum zweiten sind die dazu notwendigen Sicherheitskriterien und Schutzziele in einem offenen, transparenten und von Expertise geprägten Prozess aufzustellen. Erst wenn mehrere sicherheitstechnisch zweifellos geeignete Standorte bestimmt sind, kann über Beteiligung der jeweiligen Standortbevölkerung ein faires und andere wirtschaftliche und soziale Entscheidungskriterien einbeziehendes Auswahlverfahren verwirklicht werden.


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