
1911 entwickelt Ernest Rutherford seine Theorie vom Aufbau des Atoms und vom radioaktiven Zerfall, basierend darauf entwickelt später Niels Bohr ein Atommodell.
1941 erbaut der "Uranverein" unter der Leitung von Werner Heisenberg und Walther Bothe einen Versuchsreaktor, in dem bis Kriegsende (1945) keine sich selbst erhaltende Kettenreaktion erzeugt werden kann.
1942 konstruiert und baut Enrico Fermi mit seinem Mitarbeiterteam den ersten Versuchs-Kernreaktor. Sie setzen mit dem Chicago Pile No. 1 (CP-1) die erste kontrollierte Kettenreaktion in Gang.
1955 ist es nach dem Erlangen der Souveränität der Bundesrepublik Deutschland möglich, auf dem Gebiet der friedlichen Kernenergienutzung tätig zu werden. Die damalige Bundesregierung schafft unter Bundeskanzler Konrad Adenauer am 16. Oktober das Bundesministerium für Atomfragen und ernennt Franz-Josef Strauß am 26. Oktober zum ersten Atomminister.
1957 wird am 31. Oktober als erster Reaktor in Deutschland der Forschungsreaktor der TU München - das Atomei - in Betrieb genommen.
Am 25. März wird die Europäische Atombehörde EURATOM und am am 29. Juli die International Atomic Energy Agency ( IAEA, die Internationale Atomenergie-Organisation) gegründet.
1959 wird in der Bundesrepublik Deutschland das Atomgesetz verkündet. Es ist die Rechtsgrundlage für den Bau und Betrieb von Kernkraftwerken.
Das Deutsche Atomforum e.V. wird am 26. Mai gegründet und schafft eine Plattform für Wirtschaft, Wissenschaft und Politik mit dem Ziel, die friedliche Nutzung der Kernenergie zu fördern.
Das Atomgesetz (AtG) tritt am 1. Januar in Kraft, die erste Strahlenschutzverordnung am 1. September.
Beginn der Arbeiten am Schnellbrüterprojekt in Karlsruhe.
1961 wird am 7. März im Karlsruher Kernforschungszentrum der erste deutsche Eigenbaureaktor (FR-2) in Betrieb genommen. Der Schwerwasser-Reaktor wird mit Natururan betrieben.
Im Juni 1961 wird vom Versuchatomkraftwerk Kahl (VAK) zum ersten Mal in der Bundesrepublik Deutschland mittels Kernenergie erzeugter Strom in das Verbundnetz eingespeist. Bei dem VAK handelt es sich um einen Siedewasserreaktor amerikanischer Bauart mit 16 MW.
1966 führt das Kernforschungszentrum Jülich die erste deutsche Kettenreaktion mit einem Hochtemperaturreaktor durch.
Inbetriebnahme der Wiederaufarbeitungsanlage EUROCHEMIC in Mol (Belgien) mit deutscher Beteiligung.
Inbetriebnahme der Kernkraftwerks Rheinsberg (70 MW), einem Druckwasserreaktor sowjetischer Bauart in der DDR.
1967 beginnt das Versuchsprogramm zur Einlagerung von radioaktiven Abfällen im Salzbergwerk Asse. Zwischen 1967 und 1978 werden rund 124.500 Gebinde mit schwachaktiven Abfällen und 1.300 Gebinde mit mittelaktiven Abfällen in die Schachtanlage Asse eingelagert.
Inbetriebnahme des ersten Hochtemperatur-Reaktors deutscher Eigenentwicklung AVR in Jülich mit 15 MW.
1968 speist im Oktober der Druckwassereaktor Obrigheim erstmals elektrische Energie in das Stromnetz ein.
1969 wird am 14. April die Kerntechnische Gesellschaft e.V. gegründet: Eine Vereinigung von Wissenschaftlern, Ingenieuren und anderen Experten mit dem Ziel, den Fortschritt in der Kerntechnik zu unterstützen.
1971 beginnt die Endlagerung radioaktiver Abfälle im Endlager für radioaktive Abfälle Morsleben (ERAM).
Inbetriebnahme der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe (WAK) am 7. September.
1972 beginnen die kommerziellen Kernkraftwerke Stade und Würgassen (Leichtwasserreaktoren) mit der Stromlieferung. Inbetriebnahme des Kernkraftwerks Niederaichbach. Der gasgekühlte Schwerwasser-Druckröhrenreaktor hat eine Leistung von 100 MW.
Baubeginn des schnellen Brüters in Kalkar.
Inbetriebnahme des ersten (von insgesamt fünf) Blocks des Kernkraftwerks Greifswald.
1975 schließen sich die 12 kernkraftwerksbetreibenden und -planenden Elektrizitätsversorgungsunternehmen in der Projektgesellschaft Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen mbH (PWK) zusammen.
Bauplatzbesetzung des geplanten Kernkraftwerks Wyhl.
Der Informationskreis Kernenergie wird gegründet.
1976 werden die Kernkraftwerke Biblis B, Neckarwestheim I und Brunsbüttel in Betrieb genommen.
Anti-AKW-Demonstrationen in Brokdorf
Die Schachtanlage Konrad wird für die Erforschung und Probelagerung radioaktiver Abfallstoffe eingerichtet.
Am 28. März ereignet sich im US-amerikanischen Kernkraftwerk Three Mile Island bei Harrisburg ein Unfall. Der Kern schmilzt teilweise. Der Sicherheitsbehälter funktioniert.
Am 5. Mai wird das Kernkraftwerk Philippsburg 1 in Betrieb genommen.
Internationales Gorleben-Hearing zur Sicherheit von nuklearen Entsorgungsanlagen. Erkundungsbeginn des Salzstocks Gorleben als Endlager für hochradioaktive Abfälle.
Beginn der Tiefenbohrung im Erkundungsbergwerk Gorleben.
Gewaltsame Massendemonstration in Brokdorf.
Inbetriebnahme der Kernkraftwerks Grafenrheinfeld am 30. Dezember.
1982 wird der Grundstein zur ersten großtechnischen Urananreicherungsanlage der Bundesrepublik Deutschland in Gronau gelegt.
Planfeststellungsantrag für "Schacht Konrad".
1983 erfolgt die erste kontrollierte Kernspaltung im Thorium-Hochtemperatur-Reaktor THTR-300.
Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) erteilt der BLG die Aufbewahrungsgenehmigung gemäß § 6 AtG für das Brennelementzwischenlager Gorleben.
Am 28. September wird das Kernkraftwerk Krümmel in Betrieb genommen.
1984 werden das Brennelement-Zwischenlager Gorleben mit der Einlagerung schwachradioaktiver Abfälle von der Brennelementlager Gorleben GmbH (BGL) sowie die Kernkraftwerke Gundremmingen B, Gundremmingen C, Grohnde und Philippsburg 2 in Betrieb genommen.
1986 ereignet sich am 26. April im Block vier des sowjetischen Kernkraftwerks Tschernobyl der bisher schwerste Unfall in der Geschichte der friedlichen Kernenergienutzung.
Großdemonstration gegen der Bau der Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf.
Gründung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU).
Ein SPD-Parteitag beschließt den Ausstieg aus der Kernenergie innerhalb von 10 Jahren.
Die IAEO-Konvention über Frühwarnung bei einem Nuklearunfall sowie das vom Bundestag verabschiedete Strahlenvorsorgegesetz treten in Kraft.
Am 14. Oktober wird das Kernkraftwerk Brokdorf in Betrieb genommen.
1987 erteilt die PTB der Brennelement-Zwischenlager GmbH (BZA) die Genehmigung zur Aufbewahrung von abgebrannten Leichtwasser-Brennelementen.
Bundesumweltminister Töpfer stellt ein integriertes Mess- und Informationssystem zur permanenten Überwachung der Umweltradioaktivität (IMIS) vor, das in der Bundesrepublik installiert ist und weiter ausgebaut wird.
1989 wird am 3. Januar das Kernkraftwerk Neckarwestheim II in Betrieb genommen.
Die Bundesregierung beschließt, dass eine vertraglich dauerhaft abgesicherte Wiederaufarbeitung in den Staaten der Europäischen Gemeinschaften als Teil des integrierten Entsorgungskonzepts anerkannt werden kann. Die Bauarbeiten an der Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf werden eingestellt.
In Moskau wird der Weltverband der Kernkraftwerksbetreiber (WANO) gegründet, um durch einen weltweiten Erfahrungsaustausch die Sicherheit der Kernkraftwerke zu erhöhen.
Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) nimmt die Arbeit auf. Die Neufassung der Strahlenschutzverordnung tritt in Kraft.
2000 wird am 14. Juni eine Vereinbarung über den weiteren Betrieb der deutschen Kernkraftwerke zwischen der Bundesregierung und den Energieversorgungsunternehmen (EVU) paraphiert. Die EVU verpflichten sich dazu, nur noch eine bestimmte Menge an Strom in den Kernkraftwerken zu produzieren, im Gegenzug sichert die Bundesregierung deren ungestörten Betrieb zu. Vereinbarung vom 14. Juni 2000
Erkundungsbergwerk Gorleben: Ab 1.10. Moratorium für mindestens drei bis höchstens zehn Jahre.
Am 15. Dezember wird der letzte, bis dahin noch im Betrieb befindliche Block 3 des Kernkraftwerks Tschernobyl außer Betrieb genommen.
2002 tritt nach Zustimmung durch den Bundesrat die Neufassung des Atomgesetzes mit dem Zweck, die Nutzung der Kernenergie geordnet zu beenden, am 26. April in Kraft. Atomgesetz (AtG)
Planfeststellungsbeschluß ohne Sofortvollzug für "Schacht Konrad".
2005 erteilt die finnische Regierung am 17. Februar die atomrechtliche Genehmigung für den Bau des ersten Reaktors der dritten Generation, Olkiluoto 3.
Am 11. Mai wird das Kernkraftwerk Obrigheim stillgelegt.
China, die Europäische Union, Indien, Japan, Korea, Russland und die USA beschließen am 28. Juni 2005 den Bau des Fusionsreaktors ITER in Cadarache (Frankreich).
Synthesebericht des Bundesamtes für Strahlenschutz zum Salzstock Gorlebens.
2007 erlangt die Genehmigung von "Schacht Konrad" mit Beschlussfassung des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig am 3. April Rechtskraft. Die Errichtung soll laut Bundesamt für Strahlenschutz 2019 abgeschlossen sein.
Die französische Regierung erteilt am 10. April die Genehmigung zum Bau des EPR in Flamanville.
Am 22. Oktober wird der Südwestdeutsche Forschungs- und Lehrverbund Kerntechnik (KIT) gegründet.
Am 5. November wird das Institut für Endlagerforschung an der TU Clausthal gegründet.
2009 wird am 1. Januar das Bundesamt für Strahlenschutz Betreiber der Schachtanlage Asse II.
Am 24. Februar erteilt das Bundesamt für Strahlenschutz der ZLN Zwischenlager Nord und den Energiewerken Nord die Genehmigung zur Aufbewahrung von HAW-Glaskokillen aus der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe.
Zehntes Gesetz zur Änderung des Atomgesetzes vom 17. März 2009
Jubiläumsfeier 50 Jahre Deutsches Atomforum am 1. Juli in Berlin
Am 11. März beschädigt ein schweres Seebeben in Japan das Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi.
Zur Überprüfung der Sicherheit deutscher Kernkraftwerke als Konsequenz aus den Ereignissen in Fukushima beschließt die Bundesregierung am 15. März ein dreimonatiges Moratorium. Sieben Anlagen, die vor 1980 den Leistungsbetrieb aufgenommen haben, sind in diesem Zeitraum vom Netz genommen.
Am 30. Juni beschließt der Bundestag den Ausstieg aus der Kernenergie bis spätestens 2022. Die sieben Kernkraftwerke, die nach der Reaktorkatastrophe in Japan heruntergefahren wurden, und das Kernkraftwerk Krümmel bleiben stillgelegt.
Chronik der politischen Ereignisse in Deutschland nach dem Reaktorunfall in Fukushima Daiichi am 11. März 2011