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Schutz von Kernkraftwerken gegen gezielte Flugzeugabstürze, ein umfassendes Sicherheitskonzept

Juni 2011


Kernkraftwerk Isar - Bildquelle: Fachzeitschrift atw 6/2009

Sicherheitsbetrachtungen zum gezielten Flugzeugabsturz wurden seit dem 11. September 2001 intensiv angestellt. Flugzeugabstürze und die Ereignisse in Japan sind sachlich völlig entkoppelt. Hier liefert Japan keinerlei Erkenntnisse, die nicht schon vorher bekannt waren und intensivst behandelt wurden. In dieser Einschätzung ist sich die internationale Fachwelt völlig einig.

In den nun knapp 10 Jahren seit dem 11. September ist viel geschehen, um das Risiko eines gezielten Flugzeugabsturzes einordnen und schließlich minimieren zu können. Ein Teil dieser Maßnahmen unterliegt sinnvollerweise der Einstufung als Verschlusssache.

Zu den Fakten: Einordnung des Risikos

Unter der Führung des Bundesumweltministers Jürgen Trittin (Bündnis 90/Die Grünen) wurde 2005 nach langer Diskussion und umfangreichen Analysen eine Vereinbarung getroffen. Dabei wurde unter Würdigung aller vorhandenen und neuen Elemente staatlicher und luftfahrttechnischer Prävention sowie nach Bewertung eines betreiberseitig geplanten Maßnahmenpakets eine angemessene Risikoeinschätzung gefunden. Diese Vereinbarung besagt im Einvernehmen zwischen BMU und den Betreibern, dass durch das Zusammenwirken aller Maßnahmen die Wahrscheinlichkeit eines gezielten Angriffs mit einem Verkehrsflugzeug deutlich gesenkt werden konnte.

Heute ist festzuhalten, dass das so eingeordnete Risiko von den nachfolgenden Bundesumweltministern in den vergangenen sechs Jahren als akzeptabel eingeschätzt wurde.

Zusammenwirken aller Maßnahmen als integriertes Sicherheitskonzept

Die Prävention "am Boden" gegen die missbräuchliche Übernahme/Entführung eines Verkehrsflugzeugs wurde seit dem 11. September weltweit stark intensiviert. Unmittelbar sichtbar davon ist nur wenig, um potenziellen Attentätern keine Hinweise zu geben. Die von Flugreisenden wahrnehmbaren Dateninteressen der Fluggesellschaften bzw. staatlicher Behörden etwa sind nur eine wahrnehmbare Facette der Prävention, eine andere sind die deutlich verschärften Kontrollen an Flughäfen.

Im Flugzeug und "in der Luft" hat sich auch vieles getan. Maßnahmen wie die weltweite Nachrüstung gesicherter, schussfester Cockpittüren bei größeren Verkehrsflugzeugen und das Mitfliegen von bewaffneten "sky-marshalls" sind keine Geheimnisse. Die großen Fluggesellschaften und die Piloten haben sich ebenfalls intensiv mit Lehren aus dem 11. September und zugehörigen Sicherheitsoptimierungen beschäftigt.

Deutlich weniger bekannt ist ein konkreter Fortschritt in Deutschland: Seit Oktober 2003 ist das Nationale Lage- und Führungszentrum (NLFZ) bei Uedem einsatzbereit, in dem Beamte und Soldaten die Luftsicherheit im deutschen und europäischen Luftraum rund um die Uhr, integriert in NATO-Strukturen, beobachten. Bei Gefahrenlagen im Luftraum kann schnell über angemessene Maßnahmen entschieden werden.

Und wenn doch ein Flugzeug "ungestört" einen gezielten Anflug auf ein Kernkraftwerk schafft?

Dann weisen die Kernkraftwerke einen hohen Grundschutz auf. Alle Anlagen haben ihre wichtigen Sicherheitssysteme hinter dicken Betonstrukturen liegen. Dies gilt auch für die Anlagen, die bei ihrer Errichtung nicht formell gegen Abstürze militärischer Kampfflugzeuge ausgelegt wurden. Für die Anlagen, die bereits damals entsprechend den RSK-Leitlinien gegen militärisch bedingte Abstürze gebaut wurden, hat die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) bereits vor Jahren bestätigt, dass die Anlagen einen ausreichenden Schutz auch gegen den Absturz großer Verkehrsflugzeuge besitzen.

Der Schutz bezieht sich nicht nur auf die Widerstand bietenden Baustrukturen am Standort, er schließt auch die Beherrschung von absturzbedingten Folgen, wie etwa große Treibstoffbrände, ein.

Ein gezielter Angriff mit Volltreffer auf das Reaktorgebäude muss als seltene Ausnahme betrachtet werden. Neben vielen szenarien- und flugtechnischen Faktoren trägt hier auch die von den Betreibern entwickelte Vernebelung bei, gezielte Volltreffer noch unwahrscheinlicher zu machen.

Selbst Anlagen ohne formelle Auslegung sind mit den baulichen Strukturen ihrer Reaktorgebäude gut gegen absturzbedingte Lasten geschützt. Alle Betreiber haben hier neuere Untersuchungen erstellen lassen, die sie im Rahmen der aktuellen Sicherheitsüberprüfung vorgestellt haben. Diese Untersuchungen zeigen, dass eine Beherrschung von gezielten Abstürzen größerer Verkehrsflugzeuge möglich ist.

Fazit:

Das über Jahre entwickelte und umgesetzte integrierte Sicherheitskonzept gegen einen gezielten Flugzeugabsturz greift für deutsche Anlagen. Jedes Element des Konzepts, beginnend bei staatlicher Aufklärung und Prävention, weitergehend dann mit Sicherheitsmaßnahmen an Flugplätzen und im Flugzeug und endend bei dem hohen baulichen Schutz der deutschen Kernkraftwerke trägt multiplikativ dazu bei, dass das Risiko eines gezielten Absturzes mit radiologischen Folgen für die Umgebung als extrem klein einzuordnen ist. Diese Einordnung ist auch international seit Jahren etabliert.


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