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Strompreisbildung

Laufzeitverlängerung

Oktober 2011

Seit zehn Jahren ist der Energiemarkt in Deutschland liberalisiert. Mit Einzug des Wettbewerbs ist Strom zu einem ganz normalen Handelsgut geworden. Im Gegensatz zu anderen Waren des täglichen Bedarfs hat Elektrizität allerdings zwei Besonderheiten: Anders als beispielsweise bei Lebensmitteln oder bei Kleidung kann der Verbraucher beim Strom nicht zwischen verschiedenen Qualitäten oder Ausführungen wählen - aus der Steckdose kommt immer dasselbe Produkt. Und: Strom lässt sich nicht ausreichend speichern, er kann daher nicht im Voraus produziert werden. Vielmehr muss in das Stromnetz immer genau die Menge Energie eingespeist werden, die am Ende der Leitungen gerade benötigt wird. Nicht mehr und nicht weniger, andernfalls würde das Gleichgewicht im Netz aus den Fugen geraten.

Kernkraft: günstig in der Grundlast
Um den schwankenden Bedarf möglichst exakt auszubalancieren, kommen in Deutschland verschiedene Kraftwerkstypen zum Einsatz. Für die sogenannte Grundlast - also die permanent mindestens benötigte Leistung - stehen Braunkohle- und Kernkraftwerke sowie Laufwasserkraftwerke zur Verfügung. Einmal angefahren, produzieren diese Anlagen aufgrund relativ geringer Brennstoffkosten besonders kostengünstig Strom.

Vorhersehbare Schwankungen, die sogenannte Mittellast, werden vor allem durch Zuschaltung von Steinkohlekraftwerken ausgeglichen. Dies ist beispielsweise am Morgen der Fall, wenn im ganzen Land die Kaffeemaschinen und Toaster eingeschaltet und in den Büros die Computer hochgefahren werden. Steinkohlekraftwerke lassen sich zwar schneller anfahren als Grundlastkraftwerke, können den Strom aber nicht so günstig produzieren. Schnellt der Strombedarf in die Höhe, weil zum Beispiel Millionen Deutsche während der Fernsehübertragung eines Fußballländerspiels in der Halbzeitpause zur gleichen Zeit das Toilettenlicht einschalten oder ihren Kühlschrank öffnen, gehen innerhalb von Sekunden zusätzlich Pumpspeicherkraftwerke und Gasturbinenkraftwerke ans Netz. Die Kraftwerke, die nur kurzfristig zur Deckung der Spitzenlast oder beim plötzlichen Ausfall eines Mittel- oder Grundlastkraftwerks eingesetzt werden, sind wahre Sprinter, sie produzieren den Strom allerdings auch zu höheren Preisen.

Wind- und Solarstrom werden durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gefördert und daher bevorzugt ins Netz eingespeist. Sie sind damit dem Markt entzogen. Aufgrund ihrer Witterungsabhängigkeit werden sie in der Grundlast auf absehbare Zeit keine alleinige Rolle spielen können.

Grenzkraftwerk bestimmt den Marktpreis
Bleibt festzuhalten: Für eine verlässlicheund bedarfsgerechte Belieferung von Haushalten und Industrie mit der "Ware Strom" sorgt in Deutschland ein ausgeklügelter Mix der verschiedenen Energieträger. Doch woran bemisst sich nun der Preis des Produktes Strom?

Wie bei jedem anderen handelbaren Produkt auch folgt der Energiekostenanteil am Strompreis marktwirtschaftlicher Logik: Er bildet sich auf Basis von Angebot und Nachfrage. Drehscheibe hierfür ist in Deutschland die Strombörse European Energy Exchange (EEX) in Leipzig.

Zu welchem Preis die Kraftwerksleistungen dort jeweils gehandelt werden, darüber entscheidet maßgeblich das sogenannte Grenzkraftwerk. Darunter versteht man das Kraftwerk, das gerade noch benötigt wird, um die bestehende Nachfrage zu decken. Seinen Namen verdankt das Grenzkraftwerk den spezifischen Grenzkosten eines jeden Kraftwerkstyps. Das sind diejenigen Kosten, die anfallen, wenn ein Kraftwerk in Betrieb ist und die folglich mindestens erwirtschaftet werden müssen, damit es sich rechnet, die Anlage überhaupt anzufahren.

Grenzkosten fallen je nach Kraftwerkstyp sehr unterschiedlich aus und werden im Wesentlichen durch variable Kosten für Brennstoffe, CO2-Zertifikate und Betriebsmittel bestimmt. Ein Kernkraftwerk kann beispielsweise wegen der vergleichsweise geringen Brennstoffkosten deutlich kostengünstiger Strom produzieren als etwa ein Gaskraftwerk.

Der täglichen Nachfragesituation an der EEX stehen ganz unterschiedliche Angebote der verschiedenen Produzenten gegenüber: Strom aus Wasserkraft, Wind, Kernenergie, Gas oder Kohle. Beginnend mit dem günstigsten Angebot, erteilt die Börse den Kraftwerken nacheinander einen Zuschlag, bis schließlich die bestehende Nachfrage gedeckt ist.

Der Angebotspreis des letzten Kraftwerks, das zur Deckung dieser Nachfrage erforderlich ist, bestimmt schließlich den Marktpreis für die Strommengen aus allen anderen Kraftwerken und wird als Referenzpreis auch für das außerbörsliche Stromgeschäft herangezogen. Wird viel Strom nachgefragt,wird eher ein Gaskraftwerk mit relativ hohen Grenzkosten den Marktpreis bestimmen. Bei niedriger Nachfrage setzt eher ein günstigeres Kohlekraftwerk den Preis.

Ohne Kernenergie: Angebotskurve verschiebt sich
Entfallen die aus Kernenergie kostengünstig erzeugten Strommengen, steigt der Angebotspreis früher an. Denn dann werden schon bei vergleichsweise niedrigerem Strombedarf teurere Steinkohle- und Gaskraftwerke zur Deckung der Nachfrage eingesetzt - der Marktpreis an der Strombörse steigt entsprechend.

Strombörse EEX: Transparenter Handelsplatz
Als international aufgestellter Marktplatz ist die European Energy Exchange (EEX) mit Sitz in Leipzig Drehscheibe für den Handel mit Energie und energienahen Produkten. Neben Spotmärkten für den kurzfristigen Handel mit Strom, Gas und Emissionsrechten betreibt die EEX einen Terminmarkt, an dem finanzielle Produkte wie Futures und Optionen auf Strom, Gas, Emissionsrechte und Kohle gehandelt werden können. Die Preisbildung am Spotmarkt wird auf Nachfrageseite unter anderem durch klimatische und kalendarische Einflüsse, wie Temperatur, Bewölkung, Feier- und Brückentage etc., sowie ange botsseitig durch die jeweilige Verfügbarkeit von Kraftwerkskapazitäten bestimmt. An der EEX, die als teilnehmer- und umsatzstärkste Energiebörse Kontinentaleuropas gilt, sind über 200 Akteure aus 20 Ländern aktiv. Neben Energieerzeugern zählen unter anderem auch Banken und Industrieunternehmen dazu. Das Handelsvolumen am Strom-Spotmarkt betrug im ersten Halbjahr 2008 78 Terrawattstunden. Als Warenbörse unterliegt die EEX dem deutschen Börsen- und Wertpapierhandelsgesetz und untersteht der staatlichen Börsenaufsicht.


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